Optisch ist dieses Buch ein echter Blickfang. Der aufwendig gestaltete Einband und der Farbschnitt wecken hohe Erwartungen, vielleicht sogar zu hohe.
Worum geht es?
Es geht um eine Freundschaft von früher, die durch ein dunkles Geheimnis zerbrach. Heilt Zeit alle Wunden?
Inhaltlich konnte das Buch für mich mit seinem Äußeren nicht mithalten. Statt mich in die Geschichte hineinzuziehen, blieb ich oft auf Distanz. Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz und wechseln ständig zwischen den Protagonisten Britta, Pia und Martin hin und her. Zusätzlich gibt noch ein paar Zeitsprünge. Das Problem war für mich nicht, den schnellen Kapitelwechseln zu folgen, sondern dass es mir dadurch nicht gelungen ist, mich in die Protagonisten gut einzufühlen.
Der Schreibstil
Der Erzählstil ist sehr erklärend. Die Autorin nutzt kaum „Show don’t tell“. Vieles wird erklärt, statt spürbar erzählt, sodass auch deshalb kaum echte Nähe zu den Figuren entsteht. Dialoge (besonders von Pia) sind sehr wohlfeil formuliert. So spricht man nicht. Hinzu kommen einige wenige Ungereimtheiten, die mein Verständnis etwas gestört haben
Die Geschichte an sich ist eigentlich mega interessant und man hätte viel daraus machen können. Die Charaktere sind allesamt recht eindimensional dargestellt. Da ist noch Luft nach oben.
Die Szenen mit Brittas an Demenz leitendem Vater waren widerrrum sehr liebevoll und realistisch formuliert.
Fazit: Für Leserinnen und Leser, die einen eher erklärenden, ruhigeren Stil bevorzugen, mag der Roman funktionieren. Für mich blieb das Buch jedoch deutlich hinter dem zurück, was sein äußeres Erscheinungsbild verspricht.
Es gibt Bücher, bei denen man sofort drin ist. Und dann gibt es Bücher, bei denen man ein bisschen braucht. Dieses hier gehört für mich zur zweiten Sorte. Es heißt „Morgen kommt ein neuer Himmel“ von Lori Nelson Spielman. Es beginnt mit einer Idee, die ich sofort mochte und die mich auch zum Zugriff in der Bücherzelle gebracht hat:
Eine Mutter stirbt und hinterlässt ihrer Tochter keine einfache Erbschaft, sondern eine Bucket List. Wünsche, die sie mit 14 Jahren einmal hatte. Und die Bedingung, sie innerhalb eines Jahres zu erfüllen. Darunter Dinge, die sich gleichzeitig groß und kindlich anfühlen:
Ein Pferd besitzen Ein Baby Einen Mann finden, den sie liebt
Ich bin trotzdem nicht sofort angekommen. Die vielen Namen, die für mich ungewohnt englisch klangen und schlimmer: sich teilweise ähnlich waren, haben mich am Anfang eher auf Abstand gehalten. Die beiden Protagonisten heißen beispielwesie Brett und Brad. Also wirklich! Da war man wenig einfallsreich! Ich musste öfter inne halten, um zu überlegen, wer welche Person ist.
Je weiter die Geschichte ging, desto mehr hat sie mich aber gepackt. Gegen Ende wurde daraus ein richtiges Weiterlesen-wollen. Die Liebesgeschichte der Protagonistin hatte daran zum Beispiel Schuld. Sie gehört für mich in den Bereich Slow burn. Sehr spannend. Auch die vielen Plottwists.
Was mich zwischendurch gestört hat
Die Figuren werden immer wieder über ihr Äußeres beschrieben. Schönheit spielt eine große Rolle. Bei Frauen, aber auch bei Männern und sogar Kindern. Und ich habe mich beim Lesen mehr als einmal gefragt, ob es das wirklich braucht. Weil die Geschichte an sich stark genug ist.
Ein paar Sätze sind mir besonders hängen geblieben. Sie sagen auch schon viel über den Schreibstil aus, der durchaus angenehm zu lesen ist.
Am Ende bleibt für mich ein Buch, das nicht perfekt ist, aber durchaus spannend ist. Eines, das daran erinnert, wie leicht man eigene Wünsche aus den Augen verliert. Und wie ungewohnt es sich anfühlen kann, sie wieder ernst zu nehmen.
4 von 5 ⭐.
Hast du auch eine Wünscheliste❓
Ich habe eine! Dieses Buch hat mich daran erinnert, sie wieder einmal hervor zu holen:
Paris
Island
eine Kreuzfahrt (Nordeuropa)
Wien
Klimahaus Bremerhaven
einen top gestalteten Garten inklusive Teich ist mir nicht mehr wichtig, naturnahes Chaos ist mir lieber
✅fitter und schlanker sein war ich schon, bin ich nicht mehr
✅Heiraten (ist vollzogen)
✅Grenen in Norddänemark (schon erledigt)
✅rauschfreiere Kamera und lichtstärkere Objektive (Kamera ist mittlerweile neu)
eine eigene Fotoausstellung (nicht mehr wichtig)
✅eine Meerschweinchenfamilie (sind zwei Katzen geworden 🙂)
nebenberuflich selbstständig machen mit Fotografie/Workshops für Anfänger nicht mehr wichtig
✅oder einen (Mini)job bei dem ich den Social Media Bereich eines Unternehmens betreue und/oder einen Firmenblog führe habe ich gemacht, war nebenberuflich selbstständig
Viel los war im März. Erfreuliches, aber auch nicht so tolle Ereignisse fanden statt. Wieder einmal bin ich am Ende des Monats erstaunt, wie viele Dinge in einen Monat passen. Also: fangen wir an!
Bärwalder See
Gleich am ersten Tag des Monats machten wir einen Ausflug zum Bärwalder See und gingen dort spazieren. Der Kleine fuhr mit dem Laufrad immer voraus und wir genossen die Ruhe, denn es waren noch nicht so viele Gäste dort. Warum ist es eigentlich immer so entspannend, auf Wasser zu blicken?
chillige Vibes am Bärifast wie an der OstseeSeejungfrau
Küchenkauf
Unser Großprojekt dieses Jahr ist die Renovierung und der Neueinbau einer Küche. Nachdem wir im IKEA nicht ganz so gut beraten wurden, fuhren wir zu Porta. Wir erhielten eine erstklassige, dreistündige Planung und schlugen zu. Geplant ist, im August die neue Küche einzubauen. Bis dahin muss alles renoviert sein. Dazu muss natürlich erst einmal die alte Küche ausgeräumt und abgebaut werden und eine „Ausweichküche“ für diese Zeit eingeräumt werden… Klingt nach viel Arbeit, die wir auch schon begonnen haben.
so wird sie aussehen, unser Schmuckstück
Rums – oder eher „Dupp“
Ich hatte einen Unfall auf dem Weg zur Arbeit. Es passierte zwar eigentlich so gut wie nichts, außer dass der Unfallgegner und ich jetzt einen kleinen Lackschaden am Auto haben (ohne Dellen!), aber leider wollte sich die gegnerische Fraktion nicht im Guten mit uns einigen und nun läuft alles über unsere Versicherungen. Alles sehr ärgerlich und überhaupt nicht gut für mein Nervenkostüm!
Leipziger Buchmesse
Ein Traum! Nach mindestens 20 Jahren hatte ich mir dieses Jahr fest vorgenommen, mal wieder zur Leipziger Buchmesse zu fahren. Ich war am Messefreitag dort und es war wirklich sehr schön. Darüber habe ich in einem Blogbeitrag berichtet.
Unser kleiner Sohn wurde zu seinem ersten Kindergeburtstag eingeladen
Bei einem Ausflug zum Spielplatz schlief er in der Vogelnestschaukel ein
Ich hatte Geburtstag und habe einen Tag später ein bisschen gefeiert, weil direkt an meinem Ehrentag mein Mann auf Dienstreise war
Durch den Geburtstag und die Leipziger Buchmesse habe ich jetzt einen riesengroßen „SUB“ – Stapel ungelesener Bücher
Wir waren viel draußen
Blogbeiträge des Monats
Dieses Jahr läuft es irgendwie nicht so fluffig mit meinem Blog hier, denn mir fehlt die Zeit. Trotzdem erblickten folgende Artikel das Licht des Internets:
Die Leipziger Buchmesse ist viel zu voll, zu kommerziell und überhaupt: Es gibt zu wenig Klopapier, zu wenig zu essen und die Schlangen vor den Toiletten sind zu lang.
Was habe ich nicht alles für Kritik gelesen, im Zusammenhang mit der LBM!
Ich war seit 20 Jahren mal wieder dort. Und ja: ich war nicht die Einzige! Aber mal ehrlich: Was wäre es denn für ein Signal für die gesamte Buchbranche, wenn diese Messe keine Besucher anziehen würde?
Ich habe das ganz anders erlebt. Ich fand es wunderbar, so viele Menschen auf einmal zu sehen, die alle eine gemeinsame Leidenschaft haben. Das Verhalten von allen war entspannt und rücksichtsvoll. Auch Toilettenproblem hatte ich keins, denn es waren extra noch WC-Wagen in den Außenbereichen aufgestellt gewesen.
Aber Bücher kann man doch in jeder Buchhandlung kaufen! Was macht es denn auf einer Messe so besonders?
Tatsächlich habe ich einen signierten Roman gekauft. Ich habe eine Lesung besucht und viele kleine Verlage gesehen, die in den einschlägigen Buchhandlungen entweder gar nicht vertreten sind, oder nicht auffallen. Auch wenn man sich wirklich wunderbar in örtlichen Buchhandlungen und bei Instagram inspirieren lassen kann, sind Messeimpressionen noch einmal eine ganz andere Hausnummer, finde ich.
Wie war mein Messetag?
Ich hatte mich gründlich darauf vorbereitet. In einem kleinen Notizbuch hatte ich mir einen Hallenplan aufgezeichnet und die Stände notiert, die ich unbedingt besuchen wollte. Die Informationen dazu hatte ich mir aus dem Ausstellerverzeichnis herausgesucht. Zusätzlich hatte ich noch Veranstaltungen wie zum Beispiel Lesungen aufgeschrieben, inklusive Ort und Uhrzeit. In meinem Rucksack befanden sich Snacks und Getränke.
Den Einlass hatte ich flott hinter mich gebracht, weil ich mich aus Versehen bei den Ausstellern angestellt hatte. Zu Beginn fühlte ich mich etwas allein. Ich sah viele Grüppchen durch die Hallen ziehen, nur ich hatte keinen Anschluss. Allerdings stellte sich genau das später als echter Gewinn heraus. Ich musste auf niemanden Rücksicht nehmen und auch keine Angst haben, jemanden im Getümmel zu verlieren!
Tatsächlich schaute ich bei jedem Hallenwechsel in mein Büchlein, um zu wissen, was es dort für Themen gibt. Von meinen geplanten Veranstaltungen besuchte ich nur zwei. Ein Gespräch mit Judith Hoersch, derren Roman „Niemands Töchter“ ich schon gelesen habe und einen Vortrag zum Thema Buchmarketing. Das Gespräch hat mir sehr gefallen. Es war sehr interessant aus dem Mund der Autorin zu hören, wie sie ihre Figuren entwickelt hat und dass sie -genau wie ich- nicht vorher alles geplottet hatte, sondern eher explorativ geschrieben hat.
Judith Hoersch
Der Vortrag zum Vermarkten des eigenen Buches hat mich ebenfalls inspiriert. Nicht unbedingt der Inhalt, denn ich glaube, ich bin mit dieser Website inklusive Newsletter schon recht gut aufgestellt. Ich fand es super erhellend, dass der Vortrag so gut besucht war. So viele wunderbare Menschen, die allesamt ihren Traum leben. Und ich war ein Teil von ihnen. Das hat mir sehr gut gefallen.
So viele Menschen, die ein Buch schreiben möchten!
Was habe ich gekauft?
Ich habe fünf Bücher mitgenommen. Drei Romane und zwei Kinderbücher. Zudem habe ich noch einige Leseproben eingesteckt und viele, viele Bücher einfach nur abfotografiert, um sie mir vielleicht später zu kaufen.
Kinderbücherfür michfotografierte Titel
Was habe ich mir „mitgenommen“?
Ich fühle mich bestätigt, dass Lesen und Schreiben für mich zusammengehören und dass ich mich in der Buchbranche sehr wohl fühle. Trotz der vielen Menschen, die normalerweise ein Stressfaktor für mich sind, habe ich mich „Zuhause“ gefühlt. Ideal wäre es gewesen, die Messe aufgrund der Größe und der vielen Lesungen und Veranstaltungen an zwei Tagen zu besuchen. Es war einfach nicht genügend Zeit, überall mehr reinzuhorchen. Aber genau das ist es ja eigentlich, was oft am meisten inspiriert.
Neuentdeckung: Josi Wismar
Mutterschaft und Feminismus sind große Themen. Ich habe viele Romane entdeckt, die über Frauenrollen berichten. Mein entstehendender Roman passt da super rein und erzeugt noch ein wenig mehr Reibung im Getriebe der Geschichten über Mütter.
Du willst darüber mehr wissen? Dann schau mal auf meine Autorenseite.
Sonnenuntergang nach einem schönen Messetag
Werde ich nächstes Jahr wieder auf der LBM sein?
Ich hoffe es! Es war ein schöner, beflügelnder Tag für mich und ich wüsste nicht, was ich lieber täte!
Seit etwa einem Jahr lese ich fast täglich. Es ist ein wunderbares Hobby und hat mir schon viele schöne Stunden beschert. Meine Rezensionen findest du auf Instagram und ich möchte in Zukunft auch hier mehr darüber bloggen.
Restsommer von Kea von Garnier
Restsommer
Zuletzt las ich den Roman „Restsommer“ von Kea von Garnier. Der Roman (mit sehr schönem Cover) handelt von Dominik, einem Jugendlichen, der mit seinem Vater in der Provinz zusammenlebt. Sein Vater wünscht sich, dass Dominik mal sein Bestattungsinstitut weiterführt. Aber was ist mit seinen eigenen Plänen? Und was passiert, als sich Dominik zum ersten Mal verliebt, ganz anders als gedacht?
Ich finde es unglaublich schwierig, das Buch zu rezensieren, ohne zu viel zu spoilern. Ein Kurzfazit: Restsommer ist ein Roman, der nach Sommer schmeckt und nach Aufbruch riecht. Ein Coming-of-Age-Roman der Spitzenklasse!
Zum Inhalt
Der Roman beginnt recht ruhig. Wir erleben Dominik und seine Clique. Sie machen zusammen Musik, hängen im Freibad ab und wir lernen das Bestattungsinstitut kennen, welches Domis Vater mit Leidenschaft betreibt. Der Roman nimmt dann unglaublich an Fahrt auf, als Biff, der Neue in der Klasse, mit Domi nach Berlin fährt. Ab da entwickelt sich der Roman zum Pageturner! Es geht um Identität, Freiheit, vorbestimmte Wege, queere Liebe und emotional nicht verfügbare Eltern.
Der Schreibstil
Hervorzuheben ist nicht nur die Story, sondern auch die Erzählweise und der Schreibstil. Man fühlt förmlich den trockenen Sommerstaub auf den Lippen und ich habe mich noch nie! so sehr in die Hauptfiguren hineinversetzen können, wie in diesem Buch! Man ist emotional unglaublich nah an den Figuren dran. Das hat an manchen Stellen richtig weh getan und etliche Taschentücher gebraucht. Mir tat es einfach nur leid, wie die zwei, die eigentlich glücklich zusammen ihre zarte Liebe zueinander entdeckten (wunderbar beschrieben), sich verstecken mussten. Und auch wie sie teilweise miteinander umgingen war schwierig zu beobachten. Die beiden hatten es einfach nie von den Erwachsenen gelernt! Die zwei Protagonisten sind mir so ans Herz gewachsen, dass ich sehr traurig war, als das Buch zuende war. Eine anrührende Geschichte!
Was das Buch mit mir gemacht hat
Noch zwei Tage nach Beendigung des Buches standen mir die Tränen in den Augen, wenn ich an Domi und Biff zurück gedacht habe. Nun bin ich weder jugendlich, noch queer. Was also führte zu solch starken Gefühlsausbrüchen meinerseits? Ich stellte mir unweigerlich diese Frage, denn es musste da einen tieferen Grund geben.
Ich denke, ich habe ihn gefunden. Eine Zeit lang mussten die beiden Protagonisten ihre Liebe geheim halten und sich verstellen. Ihre Eltern waren emotional nicht verfügbar, oder sogar ablehnend. Ich erlebte meine eigene Jugend ebenfalls so, dass ich meinen Eltern nicht öffnen konnte. In der Pupertät ist man ziemlich verletzlich. Wenn man dann innerhalb der Familie merkt, dass man „falsch“ ist, wenn zum Beispiel Liebeskummer ins Lächerliche gezogen wird, oder man sich bei Problemen „nicht so haben“ soll, verinnerlicht man das irgendwann. Erlebt man mehrmals hintereinander, dass die Eltern ablehnend oder uninteressiert reagieren, versucht man gar nicht mehr, mit ihnen Gefühle oder Sorgen zu besprechen. Ich bin noch heute sehr verschlossen.
Bei mir war es nicht die Sexualität, die zu Ablehnung innerhalb des Elternhauses führte, sondern meine Hochsensibilität und mein Übergewicht, die nicht „der Norm“ entsprachen. Dies hatte ich all die Jahre sehr säuberlich verdrängt, wie es scheint. Durch dieses Buch kamen Konflikte aus meiner Jugend wieder nach oben. Deshalb meine „Gefühlsduselei“.
meine abschließende Meinung
„Restsommer“ ist absolut lesenswert. Die Story ist außergewöhnlich und wird mit einer sehr eindrücklichen und literarischen Erzählweise präsentiert. Das Buch ist ein Muss für alle, die Coming-of-Age-Romane lieben und eignet sich sehr für die wärmere Jahreszeit und für Menschen, die gerne psychologische Themen betrachten. Es wäre eine prima Lektüre für den Schulunterricht und ich könnte mir das Buch auch als Verfilmung gut vorstellen. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.
Der Februar war lange Zeit sehr kalt und winterlich, aber hat dann zum Ende noch gezeigt, dass der Frühling naht. Da war sogar Zeit, für ein klein wenig Gartenarbeit.
Küchenpläne
Auch bei uns Menschen war Aufbruchsstimmung: Wir haben entschieden, dass wir diesen Sommer die Küche renovieren. Mein Mann hat einen Grundriss gezeichnet und wir haben uns zusammen bei IKEA umgeschaut, wie wir unser Vorhaben umsetzen wollen. Die ersten Räumungsaktionen Zuhause habe ich auch schon begonnen, denn unser Gästezimmer soll unsere Behelfsküche während des Umbaus werden. Also habe ich dort schon Schränke ausgemistet.
Ausflüge
Anfang des Monats waren wir zusammen mit der Oma auf der Modellbaumesse in Dresden. ein großes Vergnügen für unseren Kleinen war das!
Ende des Monats haben wir eine kleine Runde um den Stausee in Sohland gedreht und es gab sogar einen Glühwein, während der Kleine auf dem Spielplatz tobte.
Bei meinen Eltern und Schwiegerelten 1 in Werdau waren wir auch, um den Großen abzuholen. Er hatte dort ein paar Winterferientage verbracht. wir sind dort leider recht selten, denn wir brauchen ja jedes Mal jemanden, der in dieser Zeit unsere beiden Katzen versorgt.
Zahnschmerzen
Oooh, was für ein Thema! Ich hatte Beschwerden unter einer alten Füllung. Da meine Zahnärztin in Rente gegangen ist, musste ich mir einen neuen Zahnarzt suchen. War das ein Reinfall! Ich hatte mich schon gewundert, warum dieser so viele freie Termine hatte, war aber froh, überhaupt einen gefunden zu haben. Was mich dort erwartete war teilweise seltsam, teilweise eklig. Er arbeitete ohne weiteres Personal. Den Absauger hängte er mir einfach in den Mundwinkel. Es gab keinen Becher zum Mund ausspülen. Das Mundspülbecken war grasgrün – voller Algen! Am Spülbecken und einem Instrumentengriff befanden sich Blutspuren. Obwohl ich früh die erste Patientin war.
Das Ende vom Lied: Ich benötige eine Wurzelkanalbehandlung, will aber nicht mehr in diese Gruselpraxis. Das gestaltete sich allerdings schwieriger, als gedacht. Erst die fünfte Zahnarztpraxis, die ich kontaktierte, nahm mich als neue Patientin auf. Willkommen in einem Land mit Facharztmangel!
Fastenbriefe
Spontane Ideen sind häufig gar nicht so schlecht, wie ihr Ruf. Ich hatte den plötzlichen Einfall, Fastenbriefe zu schreiben. Wir befinden uns ja mitten in der Fastenzeit und ich überlegte mir, dass wir Mütter auf so vieles das gesamte Jahr über verzichten – da sollten wir die Fastenzeit nicht noch zusätzlich dafür nutzen. Jeden Mittwoch bekommen meine Newsletter-Abonnentinnen eine Mail mit einer kleinen kreativen Schreibaufgabe, um zu erforschen wo sie verzichten, warum sie das tun und wie sie vielleicht wieder ein bisschen mehr „ich“ in ihren Alltag packen können.
Seelengeister und Restsommer
Im Februar habe ich zwei Bücher gelesen. Hier ist die Rezension zu Seelengeister von Nadine Merschmann (mein erstes Fantasy-Buch). Das zweite Buch, Restsommer von Kea von Garnier, darf ich noch nicht rezensieren, denn es ist noch gar nicht im Handel erhältlich. Nur so viel vorab: Es hat mich so megamäßig berührt, dass ich immer noch Tränen in die Augen bekomme, wenn ich an diese Geschichte denke. Wahnsinn, was Bücher bewirken können und was sie in uns aufbrechen können! Der Roman hat mir ganz neue (schmerzliche) Erkenntnisse über meine eigene Jugend gebracht. Deshalb war der Februar auch ein Monat der inneren Bewegung für mich.
Drüben bei Instagram
Dreizehn Beiträge habe ich im Februar auf meinem Profil hochgeladen. Die Themen – wie immer: Mutterschaft und Selbstfürsorge. Besonders spannend war diesen Monat eine Debatte über die Nutzung von KI zur Bilderstellung. Es gab das Lager „No-go“ und „Hell yes“ und nichts dazwischen! Die User fetzten sich, entfolgten sich und ich vermisste häufig sachliche Diskussionen. Ich bin übrigens der Meinung, dass KI-Bildchen von Zeit zu Zeit ok sind. Für hochwertige Grafiken (z.B. die Covergestaltung von Büchern), sollte man aber schon einen Illustrator beauftragen.
Hier sind zwei Chat-GPT-Bildchen von mir. Wie findest du sie?
Bin ich nicht süß?Drei Hände hätte ich gerne.
Neues von meinem Blog
Ich habe im Februar – bis auf meinen Monatsrückblick Januar 2026 – keinen Blogartikel veröffentlicht. Ich bin berufstätige, Roman schreibende Mutter und meine Zeit ist begrenzt. Leider hat es da nicht zu einem Blogbeitrag gereicht. Schade, aber nicht zu ändern!
Erkenntnisse des Monats
Es gibt wichtigeres, als Insta
Meine Stimmung hat viel mit der Gesundheit der Familie zu tun – Ich bin extrem mitfühlend und sorgenvoll!
Die Menschheit vergisst das bunt zwischen schwarz und weiß
GERADE mit (vermeintlich) falsch denkenden, darf man den Dialog nicht abbrechen
Hör auf deinen Körper!
Plötzliche Sehnsucht nach was Verrücktem
Klar denken plus Bauchgefühl = gute Kombi!
Entweder du gewinnst, oder du sammelst Erfahrung
Ich bräuchte „Nachdenkurlaub“
Schmerzen können lähmen
Spontanität ist neu für mich, macht aber Spaß
Ich müsste mehr Gesundes in mein Leben etablieren
Manchmal ist es ganz schön, nicht alles zu wissen – man macht sich weniger Gedanken!
Nicht nur analysieren – sondern auch handeln!
Man darf sich auch verändern, wenn man noch nicht zerbrochen ist!
Sensibilität ist nichts Schlimmes – Gefühle dürfen sein!
Und schwupps: Ist der Januar schon wieder vorbei. Wie schnell ging das denn?
Krankheiten und kein Ende
Voriges Jahr startete das Jahr genauso holprig wie dieses Jahr. Scheinbar ist der Januar der Monat der Krankheiten. Ich startete dynamisch und optimistisch ins Jahr, um gleich danach ordentlich gebremst zu werden. Ich blieb gesund, aber unseren kleinen Sohn erwischte es Anfang des Monats mit einer Mittelohrentzündung und Grippe. Ende des Monats bahnte sich erneut was an, wir konnten es aber durch Inhalationen und co im Zaum halten.
Aber nicht nur dem Kleinen machten seine Krankheiten zu schaffen. Der Schwiegervater bekam eine „neue“ Hüfte und der Schwager erlitt einen Herzinfarkt in Peru. War das eine Aufregung! Zum Glück sind beide auf dem Weg der Genesung.
Online Fahrt aufnehmen
Aber es gibt auch positive Dinge zu berichten: Ich füllte mein diesjähriges Jahresmotto „Fahrt aufnehmen“ mit Leben. Zuerst schickte ich einen Newsletter los. Dies möchte ich jetzt wieder regelmäßig einmal im Monat tun. Möchtest du auch Post von mir? Dann hier entlang.
Auch auf Instagram war ich im Januar sehr aktiv. Ich veröffentlichte fünfzehn Posts. Sie handeln von meinem entstehenden Roman, Buchrezensionen und Erkenntnissen zu Mutterschaft. Du bist herzlich eingeladen, mir dort zu folgen!
Was sonst noch los war
Der Januar war sehr kalt. Wir hatten auch recht viel Schnee. Das war vor allem für das kleine Kind wunderschön. Wir konnten sogar rodeln gehen.
Gegen Ende des Monats wurde es recht stressig auf Arbeit. Es galt, die Halbjahreszeugnisse zu schreiben.
Wir besuchten eine Modellbahnausstellung und der Kleine wollte am liebsten gar nicht wieder nach Hause gehen.
Meine Erkenntnisse des Monats
Auch 2026 möchte ich wieder jeden Tag eine Zeile schreiben. Meine wichtigsten One-Liner des Jahres:
Kein Neuanfang – ein Weitergehen
Frage des Jahres: Dient es meinen Zielen?
Ich sollte mich nicht ständig zurückhalten
Deine Gedanken kann dir keiner nehmen
Der 1. Arbeitstag war nicht so schlimm, wie gedacht
Beseelt von meinen Hobbies
Es ist (fast) alles irgendwie verhandelbar
Ich bin für mein Wohlergehen selbst verantwortlich
Mich triggern Menschen, die Leben, als würde es nie enden. Weil ich weiß, wie schnell das passieren kann
Gefühle sind niemals falsch oder zu viel
Jeder handelt nach seiner besten Option.
Ich muss nicht allen gefallen – nur den richtigen!
Neue Beruhigungsstrategie: Lesen!
Reminder für schlechte Tage: Es kommen auch wieder bessere!
„versteckte Wut“, „vorsichtige Freude“… Warum leben wir nicht wahrhaftiger?
Hoffnung hilft, funktionsfähig zu bleiben
Wir sollten schätzen, was wir haben
Seelische Anstrengung kostet Energie
Haltung macht stark – Man muss stark sein für Haltung
Ich habe in den letzten Monaten etwas in der „Bookstagram-Bubble“ beobachtet, das mich echt irritiert und wütend gemacht hat: Instagramposts, bei denen offensichtlich ist, dass sie niemand wirklich gelesen hat, bekommen innerhalb von Sekunden Likes und Kommentare. Antworten, die auf jeden Post passen würden, egal ob es um eine persönliche Erfahrung, einen literarischen Text oder eine Buchrezension geht. Kleine Herzchen, die schneller verteilt werden, als man überhaupt einen Absatz erfassen könnte.
Ich bin der Sache auf den Grund gegangen und habe Muster erkannt: Man trifft sich unter Bookies (das gibt es aber auch in anderen „Instagram-Szenen“) zu sogenannten „Community-Times“ und liket sich blind die ersten paar Beiträge. Resonanz wird simuliert. Damit wird Austausch zur Pflichtübung. Und damit verliert der Inhalt des geliketen Beitrags komplett an Bedeutung.
Was mich daran mehr irritiert hat als alles andere, war nicht einmal die Praxis an sich. Es war das Gefühl, dass Mühe, Tiefe und echte Auseinandersetzung entwertet werden, wenn Reaktionen unabhängig vom Inhalt verteilt werden. Ich schreibe Texte, in die Zeit, Denken und innere Arbeit fließen. Ich schreibe über Themen, die nicht leicht verdaulich sind, die Reibung erzeugen, die nicht nach drei Sekunden abgeschlossen sind. Wenn auf so einen Text eine generische Antwort kommt, die genauso gut unter einem Sonnenuntergang oder einem Katzenfoto stehen könnte, oder ein Like innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde, fühlt sich das nicht nach Verbindung an, sondern ich fühle mich irgendwie betrogen.
Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sehr mich das beschäftigt. Mehr, als es eigentlich sollte. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich nach dem Posten unruhig auf Zahlen geschaut habe, wie ich innerlich verglichen habe, wie ich mich gefragt habe, warum ich mich überhaupt so über ein paar digitale Herzchen aufrege. An diesem Punkt wurde mir klar, dass Instagram viel zu viel Raum in meinem Kopf eingenommen hatte. Ich schwankte zwischen einem diffusen Würdegefühl und dem sehr realen Druck, sichtbar sein zu müssen, wenn ich mit meinem Schreiben nicht völlig im luftleeren Raum existieren wollte.
Diese Ambivalenz hat mich gezwungen, ehrlicher mit mir zu werden. Ich stehe nicht außerhalb dieses Systems. Ich nutze diese Plattform. Ich profitiere von ihr. Ich will Leserinnen erreichen. Ich will, dass mein Roman, der gerade entsteht, später gesehen wird. Ich bin also keine moralisch überlegene Beobachterin, die von außen mit dem Finger zeigt. Nein: ich habe diese Likespielchen sogar ein paar Wochen lang mitgespielt, obwohl mein Bauchgefühl ungute Signale sendete. Ich war Teil dieses Spiels, auch wenn ich mich in vielen Momenten innerlich dagegen sträubte.
Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir, dass das, was mich so triggert, kein individuelles Fehlverhalten Einzelner ist. Es ist ein strukturelles Phänomen. Plattformen wie Instagram belohnen Geschwindigkeit, Aktivität und Vernetzung. Sie belohnen, wer häufig reagiert, wer viel kommentiert, wer permanent sichtbar bleibt. Qualität, Tiefe und Langsamkeit sind in dieser Logik Nebensachen. Sichtbarkeit entsteht durch Bewegung und nicht durch Substanz.
In so einem System ist es rational, Likes zu tauschen, sich gegenseitig hochzuziehen, Resonanz technisch zu erzeugen. Das ist keine Charakterschwäche, das ist Anpassung an ein Belohnungssystem. Wer in dieser Logik bestehen will, lernt schnell, dass echte Auseinandersetzung Zeit kostet und Zeit algorithmisch unattraktiv ist. Oberflächlichkeit wird nicht gewählt, weil Menschen per se oberflächlich sind, sondern weil das System sie dafür belohnt.
Und trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Denn auch wenn ich die strukturelle Logik verstehe, bleibt die Frage, was dabei mit Texten passiert. Mit Worten, die etwas erreichen sollen und mit Gedanken, die mehr sind als ein hübscher Hintergrund für Reichweite.
Lesen ist eine Form von Fokus. Es bedeutet, sich einzulassen, sich Zeit zu nehmen, den anderen ernst zu nehmen. Ungelesene Likes wirken auf den ersten Blick harmlos, fast freundlich. In Wahrheit entwerten sie die Arbeit derjenigen, die schreiben. Sie verwandeln Texte in Dekoration. Sie reduzieren Mühe auf ein visuelles Signal. Sie erzeugen eine Form von Resonanz, die inhaltlich leer ist.
Langfristig schadet das nicht nur den Schreibenden, sondern auch den Lesenden. Wenn alles gleich viel Beifall bekommt, verliert Beifall seinen Sinn. Wenn jedes Wort dieselbe Reaktion auslöst, verliert das Wort an Gewicht. Es entsteht eine Kultur der Bestätigung, in der niemand mehr genau hinschaut, weil Hinschauen sich nicht lohnt.
An diesem Punkt habe ich eine Entscheidung getroffen und meinem Bauchgefühl vertraut: Ich habe beschlossen, dieses Spiel für mich nicht mehr mitzuspielen. Es passt nicht zu dem, was ich schreibe und wie ich arbeiten will.
Ich schreibe Literatur. Ich schreibe über Mutterschaft, Selbstverlust, Wut, innere Spannung, Gleichberechtigung, Würde. Meine Themen brauchen Langsamkeit. Sie brauchen Unbequemheit. Sie brauchen Leserinnen, die bereit sind, einen Text auszuhalten, auch wenn er keine schnelle Erleichterung liefert. Dieser Stoff ist nicht algorithmusfreundlich. Und das wird sich nicht ändern, egal wie sehr ich mich anpasse.
Der Preis dafür ist real. Weniger Reichweite. Langsamere Resonanz. Weniger sichtbare Bestätigung. Ich habe aufgehört, mir vorzumachen, dass ich beides gleichzeitig haben kann: tiefe Texte und schnelle Belohnung. Das eine schließt das andere nicht kategorisch aus, aber es steht in einem strukturellen Spannungsverhältnis. Wer ernsthaft schreiben will, zahlt oft mit weniger Sichtbarkeit. Wer sichtbar sein will, zahlt leider meist mit Oberflächlichkeit. Dazwischen gibt es Kompromisse, aber keine bequemen Lösungen.
Ich will diesen Roman nicht über Reichweitenmechaniken nach oben schieben, die dem Inhalt widersprechen. Ich will ihn auch nicht künstlich verknappen oder dramatisieren, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Ich will, dass er langsam seine Leserinnen findet. Diejenigen, die sich in ihm wiederfinden. Diejenigen, die nicht nur ein Herz-Icon dalassen, sondern einen Gedanken mitnehmen.
Ich habe mich auch gefragt, ob diese Haltung naiv ist. Ob ich mir damit selbst im Weg stehe. Ob ich mir eine künstliche moralische Überlegenheit baue, um meine eigene Ungeduld zu kaschieren. Diese Fragen nehme ich ernst. Ich weiß, dass ich mich auch selbst vor unbequemen Wahrheiten schützen kann, indem ich mir eine Haltung konstruiere.
Trotzdem fühlt sich diese Entscheidung für mich sauber an. Sie ist unbequem, aber stimmig. Ich will mich nicht innerlich verbiegen, um in einem System mitzuhalten, das meinen Inhalten widerspricht. Ich will mich nicht über andere erheben, die dieses Spiel spielen. Ich will einfach meinen Platz darin finden, ohne mich selbst zu verraten.
Lesen wir noch oder bestätigen wir uns nur noch gegenseitig? Vielleicht ist das keine moralische, sondern eine kulturelle Frage. Vielleicht müssen wir uns neu daran erinnern, dass Texte mehr sind als visuelle Reize, die man mit einem schnellen Klick abhakt.
Ich bleibe bei Texten, die gelesen werden wollen. Auch wenn sie weniger Herzen bekommen. Wenn du möchtest, dann folge mir gerne: https://www.instagram.com/steffi.im_glueck/
Ich beschäftige mich fast jeden Tag mit meinem kleinen Sohn. Wir puzzeln, malen oder spielen Memory. Ich lese ihm viel vor und momentan sind Versteckspiele auch ganz hoch im Kurs.
Und trotzdem gibt es diesen leisen Zweifel im Hintergrund, der fragt: „Mach ich genug mit ihm?“ Diese Stimme begleitet viele Mütter meiner Generation. Und sie hat erstaunlich wenig mit der tatsächlichen Zeit zu tun, die wir mit unseren Kindern verbringen.
Denn wenn wir ehrlich sind, dann ist eines ziemlich klar: Wir verbringen heute mehr Zeit mit unseren Kindern als frühere Generationen. Und fühlen uns gleichzeitig unsicherer und unzulänglicher damit.
Ich kann mich beispielsweise nicht daran erinnern, dass meine Mutter mit mir auf dem Fußboden saß und etwas mit mir gespielt hat. Als wir Kinder größer waren, spielten wir Gesellschaftsspiele am Tisch. Aber ausschließlich an den Wochenenden! Mein Vater las uns gerne Märchen vor. Allerdings geschah das auch nur an den Wochenenden.
Hatte ich eine schlechte Kindheit? Nö!
Ist das nicht paradox?
Früher war Nähe punktuell, heute ist sie permanent
Es gab Zeiten, da war es nicht selbstverständlich, dass Mütter täglich exklusive Zeit mit ihren Kindern verbrachten. Nähe war eingebettet in den Alltag, nicht extra ausgewiesen. Kinder liefen mit. Erwachsene lebten ihr Leben. Gemeinsame Zeit entstand beiläufig: beim Essen, beim Arbeiten, beim Dabeisein. Meine Mutter hängte Wäsche auf, ich baute aus den Klammern eine Schlange. Meine Mutter nähte, ich sortierte die Knöpfe aus ihrer Knopfschachtel nach Größe oder Farben.
Heute ist Nähe etwas, das aktiv hergestellt wird. Sie bekommt auch einen Namen: Quality Time.
Allein dieses Wort verändert alles. Zeit ist nicht mehr einfach Zeit. Sie muss qualitativ hochwertig sein. Achtsam, pädagogisch wertvoll, emotional präsent, bindungsfördernd und entwicklungsrelevant. Plötzlich reicht es nicht mehr, einfach da zu sein.
Mutterschaft unter Dauerbeobachtung
Unsere Generation lebt nicht nur mit Kindern, sondern auch mit einem permanenten inneren Beobachter. Wir bewerten uns ständig selbst.
Habe ich genug gespielt? War ich geduldig genug? Habe ich wirklich zugehört? Hätte ich weniger aufs Handy schauen sollen? War ich innerlich wirklich präsent?
Diese Fragen tauchen nicht auf, weil wir uns nicht kümmern. Sie tauchen auf, weil wir uns kümmern. Frühere Generationen hatten weniger Wissen über kindliche Entwicklung, weniger psychologische Konzepte, weniger Ratgeber und weniger Vergleichsmöglichkeiten. Nicht zu vergessen: Es gab auch nicht so viel pädagogisches Spielzeug zur Auswahl.
Mehr Wissen, mehr Schuld
Viele von uns haben sich Wissen angeeignet zu Bindungstheorie, Bedürfnisorientierung, Co-Regulation und so weiter. All diese Konzepte sind nicht falsch. Im Gegenteil. Sie haben wichtige blinde Flecken früherer Erziehung sichtbar gemacht. Das Problem entsteht dort, wo Wissen in einen moralischen Maßstab kippt. Denn dann wird aus jeder Alltagssituation eine potenzielle Prüfung.
Wenn Zeit nicht mehr genügt
Ich erlebe es bei mir selbst und höre es von vielen anderen Müttern: Selbst wenn wir uns Zeit nehmen, bleibt das Gefühl, es hätte mehr sein müssen oder anders. Besser! Das ist der entscheidende Punkt: Wir fühlen uns nicht schlecht, weil wir zu wenig Zeit investieren. Wir fühlen uns schlecht, weil Zeit heute nicht mehr als ausreichend gilt.
Von Beziehung zu Dienstleistung
Unbewusst hat sich das Bild von Elternschaft verschoben. Kinder sind nicht mehr Teil des Lebens der Erwachsenen. Erwachsene werden zu Dienstleistern im Leben der Kinder. Dienstleister aber können nie genug leisten. Denn ihr Wert bemisst sich nicht an Beziehung, sondern an Optimierung. Wir wollen alles richtig machen.
Warum das schlechte Gewissen bleibt
Das schlechte Gewissen verschwindet nicht durch mehr Einsatz. Es wird durch Einsatz genährt.
Denn jedes Mehr setzt einen neuen Maßstab: Gestern habe ich aber länger gespielt. Das letzte Spiel war pädagogisch sinnvoller. Heute habe ich ein schlechtes Gewissen, denn das Kind saß länger vor der Glotze…
Unsicherheit ist kein Zufall
Wir Mütter sind unsicher. Unsichere Mütter konsumieren und vergleichen sich. Sie lesen Ratgeber, buchen Kurse, folgen Accounts auf Social Media. Und sind damit beschäftigt. Sichere Mütter tun das weniger. Das schlechte Gewissen ist also nicht nur ein Kollateralschaden moderner Mutterschaft. Es ist ein Motor.
Die Illusion der ständigen Präsenz
Ein weiterer Widerspruch unserer Zeit: Wir sollen ständig präsent sein. Gleichzeitig leben wir in einer Welt, die Dauerpräsenz unmöglich macht. Wir sind berufstätig, leisten Care-Arbeit, leiden unter Mental Load und nebenbei läuft unser Selbstoptimierungs-Programm. Das kann nicht aufgehen.
Was Kinder wirklich brauchen
Kinder brauchen Beziehung. Keine Performance. Sie brauchen Erwachsene, die echt sind. Kinder lernen durch beobachten und können verdammt gut erkennen, wann Mütter nur eine Rolle spielen. Unsere Kinder dürfen sehen, dass wir eine Pause brauchen, dass wir müde sind, dass uns die Hausarbeit nicht gefällt und dass wir nicht immer Lust haben, zu spielen. Wir müssen auch nicht jede Minute mit ihnen pädagogisch nutzen. Wie sollen sie denn sonst lernen, dass jeder Mensch Bedürfnisse hat? Wie oben schon geschrieben: Ich hatte eine gute Kindheit trotz fehlender Qualitytime mit meiner Mutter.
Ein neuer Blick auf Nähe
Sicherlich ist es nicht zielführend, mit dem Kind auf den Spielplatz zu gehen und dabei die ganze Zeit am Handy zu hängen. Aber vielleicht sollten wir unsere Ansprüche an die gemeinsame Zeit mit den Kindern trotzdem herunterschrauben. Nähe darf wieder beiläufig werden, alltagsnah und ungeplant. Nähe ist nicht nur das Memory, sondern auch gemeinsame Hausarbeit. Nähe ist nicht nur der Besuch des Indoor-Spielplatzes, sondern auch zusammen ein Hörspiel zu hören, während man kocht. Nicht jede Minute muss bedeutungsvoll sein und nicht jede Interaktion „pädagogisch wertvoll“.
Fazit
Dass wir uns heute trotz intensiver Mutterschaft schlecht fühlen, ist kein individuelles Problem. Es ist das Ergebnis einer Elternrolle, von der die Gesellschaft immer mehr verlangt. Der Ausweg liegt darin, den eigenen Anspruch an Präsenz zu hinterfragen.
Der Dezember war herrlich unspektakulär. Die Weihnachtsfeier mit den Kollegen fand in einem Café in Bautzen statt. Wir besuchten den ersten Weihnachtsmarkt des Kindergartens vom Kleinen. Der bestand nur aus drei Buden, einem Theaterzelt und einer Feuerschale in der Mitte und genau das hatte ganz viel Charme. Ansonsten gingen wir auf keinen Weihnachtsmarkt und besuchten auch keine überfüllten Einkaufszentren. Wir machten es uns Zuhause schön, diesmal mit zwei Weihnachtsbäumen. Einer außen, einer innen.
Außenbaumin der Mittagspause mal schnell über den Wenzelsmarkt gelaufenWeihnachtszug
Ein Highlight gab es dann in unserem Flur: Neuer Vinylbelag! Endlich ist unser Eingangsbereich wieder vorzeigbar!
Am vierten Advent war richtig was los, im negativen Sinne. Das Haus des übernächsten Nachbarn brannte ab. Ihnen ist nichts passiert, aber sie stehen vor dem Nichts!
Weihnachten war auch sehr entspannt, aber leider überschattet von einer starken Erkältungskrankheit aller mit Fieber und Halsschmerzen. So sind sie, die artigen Arbeitnehmer: kurieren sich über die Feiertage aus! Am dritten Weihnachtsfeiertag ( eher waren wir dazu nicht in der Lage), gab es Gans. Hat geschmeckt!
Hildegard vorm BaumGertrud neben dem Baum
Dieses Jahr merkte ich ganz deutlich, wie das Weihnachtsgefühl direkt nach dem zweiten Feiertag stark abflaute. Die eigentliche Besinnlichkeit habe ich nur in der Adventszeit und auch in dieser Zeit fehlte mir die Weihnachtsstimmung, denn unser kleiner Sohn mag keine Weihnachtslieder. Kerzen sind auch nur cool, wenn man sie auspusten kann. Das machte mich oft traurig und ich frage mich, ob er sich später mal so gut an die Adventszeit erinnert, wie ich.
selbst bemalte Kugeln
Der Silvester verlief ebenfalls ruhig. An diesem Tag veröffentlichte ich meinen Jahresrückblick 2025. Falls du ihn noch nicht gelesen hast: Mach mal! Der ist echt persönlich geworden.
Weitere Blogbeiträge, die im Dezember entstanden sind