Buchrezension zu „Wir sind eine Frau“

Auf der Leipziger Buchmesse habe ich mir den Roman “ Wir sind eine Frau“ von Sarah Pfaffeneder gekauft. Erschienen ist es im Palomaa Publishing Verlag. Es geht um eine Frau (im Buch tatsächlich ausschließlich so benannt), die wir alle sein könnten. Eine Frau, die einen Knoten in der Brust hat und nicht nur damit kämpft, sondern auch mit allen möglichen und unmöglichen anderen Dämonen (nein, es ist kein Fantasy-Roman) unserer Zeit.

Der Schreibstil

Das Buch zeichnet sich durch einen sehr extravaganten Schreibstil aus und hebt sich dadurch sehr deutlich von anderen Werken ab. Ich würde ihn als kantig bezeichnen. Sehr kurze, fragmentarische Sätze wechseln sich mit sehr langen ab und immer wieder wird die Leserschaft direkt angesprochen. Dieser bisweilen sehr eindringliche und besondere Schreibstil hat mich sehr gepackt und liefert den Beweis, dass Frau auch ein Buch veröffentlichen kann, wenn sie sich nicht an allgemeine Schreibratgeber hält. Das hat mir als angehende Autorin Mut gemacht, meinem Drang, eigene Sätze und Formulierungen zu glätten, nicht immer nachzugeben. Mich hat allerdings gestört, dass die Autorin häufig ihre herausragenden! Wortspiele im nächsten Augenblick erklärte, oder noch einmal darauf hinwies. Ich fühlte mich, als traue man mir nicht zu, sie selber zu erkennen und einzuordnen.

Warum ich das Buch abbrechen wollte

Ziemlich zu Beginn schon schwiff die Autorin von der eigentlichen Story ab. Nachdem „eine Frau“ über fünf Seiten hinweg über einen Kinderliedtext nachdachte (was noch sehr originell war), kamen dann plötzlich ökologische Themen ins Spiel, gefolgt von Gedanken zu gendergerechten Bildern und Texten in Kinderbüchern. Zweifellos sind das wichtige Themen. Aber sie stoppten die Handlung und ich fragte mich, ob die Autorin hier nicht irgendwie versucht, sämtliche Gesellschaftsprobleme in einen Roman zu quetschen. Es ist zweilfelsohne sehr wichtig, die Menschheit für solche Dinge zu sensibilisieren. Aber doch nicht per Druckbetankung in einem einzigen Roman. Dies führte mich vollkommen weg von der Protagonistin.

Warum ich das Buch nicht abgebrochen habe

Was mich letztendlich zum Dranbleiben gebracht hat, war die intensive Beschreibung der Lebens- und Gedankenwelt einer Frau in einer psychischen Ausnahmesituation und mit psychischen Erkrankungen (Ich habe sogar eine Textstelle schon im Unterricht vorgelesen. Wir besprechen gerade das Thema Wochenbettdepression).

Meine Bewertung

Ich gebe dem Roman 4 von 5 Sternen. Ich empfehle das Buch allerdings nur Menschen, die sich darauf einlassen können, hier nicht die gewohnten glatt gebügelten Satzmelodien vorzufinden und die damit leben können, dass das Buch sehr intensive Gefühlszustände und Gedanken beschreibt. Es ist an manchen Stellen eine ZuMUTung. Nicht umsonst fragt die Autorin sogar einmal: „Sie ertragen es nicht mehr, auch nur ein einziges Wort davon zu lesen? Glückwunsch!“

Ich glaube, dieses Buch will gar nicht gefallen. Und genau DAS macht es interessant. Hältst Du unbequeme Texte aus, oder steigst Du irgendwann aus?

Hinterlasse einen Kommentar