Petrópolis von Noa Moreira ist der dritte Teil einer Familiensaga auf Grundlage echter Ereignisse. Ich kenne die zwei ersten Bände nicht, aber der Roman ließ sich auch ohne das Vorwissen sehr gut lesen.

Worum geht es?
Im Buch begleiten wir die Hauptprotagonistinnen Ricardina und Luzia (Mutter und Tochter) auf ihrem Lebensweg. Der erste Teil des Romans spielt in Brasilien vor dem zweiten Weltkrieg. Wir verfolgen den Eisenbahnbau und das Leben in Rio und auf einer Gärtnerei in den Bergen. Diese Zeit ist geprägt von Abschieden durch Todesfälle, Armut und Krankheit, aber auch von Hoffnung. Weiter geht es dann in Süddeutschland, wohin die Familie auf einer langen Schiffsreise gelangt. Das Ankommen ist nicht immer leicht und der zweite Weltkrieg fordert die Familie ebenfalls auf vielfältige Weise heraus.
Der Schreibstil
Zuerst war ich etwas genervt, denn im Text findet man zu Beginn des Buches viele portugiesische Begriffe. Diese sind zwar in einem Glossar erklärt, aber die ständige Blätterei störte den Lesefluss. Der Schreibstil ist sehr sinnlich. Man findet viele Beschreibungen, Töne und Gerüche. Diese ließen mich sehr gut eintauchen in die üppige Welt Brasiliens und die deutlich kühlere und geordnete deutsche Welt, waren mir aber manchmal zu viel des Guten. Trotzdem war ich nicht gelangweilt, denn in diesem Roman passiert unglaublich viel! Deshalb bereitete mir das Lesen viel Vergnügen. Ich wollte immerzu wissen, wie es weitergeht und ich konnte mich auch in die Personen sehr gut einfühlen.



Mein Leseeindruck
Das Buch lässt mich ehrfürchtig zurück. Noa Moreira ist es gelungen, unheimlich viel Wissen über ihre Vorfahren zusammenzutragen und so aufzubereiten, dass daraus ein spannender und dichter Roman entstanden ist, der fesselt und ohne Längen auskommt. Er ist keine locker-flockige Strandlektüre, sondern für Leser:innen geeignet, die gerne historische Romane mögen und Mehr-Generationen-Romane interessant finden. Ich vergebe vier einhalb von fünf Sternen und eine Kaufempfehlung.