Seit ich selbst einen Roman schreibe, schließe ich kaum noch ein Buch, ohne etwas zu lernen

„Stelle dir ein Buch auf deinen Schreibtisch, das du schlecht findest und bei dem du überzeugt bist, dass du es besser kannst.“ Dieses Zitat von Bestseller-Autor Andreas Eschbach soll einerseits Mut machen, denn dieses nicht so gut gelungene Buch zeigt, hat immerhin Druckreife erreicht. Andererseits sind Fehler bekanntlich Lehrer. Aus Dingen, die uns an Romanen nicht gefallen, können wir Erfahrungen ziehen, die uns in unserem eigenen Schreiben unterstützen.

Ich lese und rezensiere leidenschaftlich gerne Romane. Und ich schreibe gerade selber an einem Buch. Seitdem ich schreibe, lese ich anders. Dabei sind mir zehn Punkte aufgefallen, die für mich wichtig sind, damit ein Roman „funktioniert“. Teilweise fand ich diese Dinge in Büchern besonders gut gelöst, so dass sie mir in Erinnerung blieben. Andere Aspekte fielen mir in Büchern negativ auf und ich möchte sie in meinem eigenen Roman vermeiden.

1. Metaphern müssen etwas erfahrbar machen

Eine Metapher sollte ein Bild entstehen lassen und nicht nur ungewöhnlich klingen. Gleichzeitig gilt es, „ausgelutschte“ Vergleiche zu vermeiden. Manche Gleichnisse und Floskeln hat man einfach schon tausend Mal gehört.

2. Ein gleichförmiger Satzbau nutzt sich ab

Rhythmuswechsel sind nicht nur in der Musik beliebt. Wenn der Satzbau wenig Variationen enthält, schadet das der Dynamik des Buches. Abwechslung hält einen Text lebendig und unterstreicht die jeweilige Stimmung der Szene.

3. Atmosphäre entsteht durch Sinneseindrücke

Gerüche, Geräusche, Gefühle und Bilder lassen eine Beschreibung lebendig werden. Ich möchte einen Ort oder ein Ereigniss erleben, nicht nur von ihm erfahren. Die Kombination mehrerer Sinneseindrücke macht dies möglich.

4. Eine gute Grundidee reicht nicht aus

Es gibt Themen, über die muss man reden. Sie sind wichtig und es ist toll, wenn daraus ein Roman entsteht. Vielleicht ist es ein Thema, von dem es noch nicht viele Bücher gibt, eine innovative Themenkombination, oder auch ein „Hypethema“, auf dessen Zug der/die Autorin aufspringen will: Wenn die Umsetzung nicht passt, nützt die beste Idee nichts!

5. Genre schafft Erwartungen

Der Psychothriller entpuppt sich plötzlich als Erfahrungsroman? Das Romancebuch entführt uns in fantastische Welten, oder der historische Roman spielt hauptsächlich in der Gegenwart? Das Buch an sich kann richtig gut sein. Wenn seine Einordnung falsch ist, werden Erwartungen geweckt, die nicht erfüllt werden. Dadurch lässt es enttäuschte Leser:innen zurück.

6. Charaktereigenschaften sollten wiederkehren, aber Raum für Entwicklung lassen

Typische Eigenheiten und Eigenschaften können Figuren über das ganze Buch hinweg unverwechselbar machen. Schön, wenn sie im Roman immer wieder aufblitzen. Das sollte man nicht nur bei wörtlicher Rede beachten. Gleichzeitig ist es interessant, wenn eine Figur Raum bekommt, um sich zu entwickeln. Wenn sich eine Protagonist:in allerdings völlig unterklärlich ändert, kommt die Leserschaft ins Stolpern.

7. Der Schreibstil darf nicht wichtiger werden als die Geschichte

Unsere Sprache ist das Werkzeug. Sie sollte die Geschichte tragen und nicht ständig auf sich aufmerksam machen, oder gar die Leser:in vorführen. Wie ich das meine? Ein Roman ist keine Fachliteratur. Fachbegriffe sollten daher erklärt werden und die Sprache sollte der Zielgruppe angepasst sein. Kein Mensch hat Lust, ständig Fachwörter zu googeln, oder über Bildungssprache zu stolpern. Anders herum darf ein Roman natürlich der Leser:in etwas zutrauen. Wie gesagt: Der Schreibstil sollte zur Zielgruppe passen.

8. Jede Szene braucht eine klare Funktion


„War das jetzt wichtig?“ „Wozu jetzt diese Szene?“ Wenn sich die Leserschaft solche Fragen stellt, funktioniert oft etwas nicht. Rückblenden funktionieren, wenn sie den Figuren Tiefe geben und die Gegenwart erhellen. Jede Szene sollte einen Grund haben. „Klingt schön“ allein reicht nicht.

9. Glaubwürdigkeit ist entscheidend

Wer reale Orte, Ereignisse, Personen oder Berufe beschreibt, sollte sorgfältig recherchieren. Dabei geht es gar nicht unbedingt darum, dass alles 1:1 stimmen muss (gerade im historischen Kontext ist das nicht immer möglich, heraus zu bekommen), grobe Fehler oder Unwahrheiten können aber peinlich werden und der Autor:in am Ende sogar schaden.

10. Ein Roman braucht eine eigene Stimme

Leser:innen erinnern sich an eine unverwechselbare Stimme, nicht an Perfektion. Eine Autor:in darf ungewöhnliche Wörter nutzen, mit Dialekt oder Slang spielen, mit Sprache spielen. Nichts ist langweiliger, als Monotonie und ein Sprachstil, der nicht auffallen will.

Sicherlich gibt es noch mehr zu beachten. Ich werde diesen Beitrag von Zeit zu Zeit erweitern.

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