Lena Neve im Interview zum Roman „Nur ein Abschied“

In meiner letzten Rezension habe ich dir das gefühlvolle Buch „Nur ein Abschied“ von Lena Neve und Anna Cavelius vorgestellt. In dem Roman geht es um Trauer innerhalb einer Familie nach einem schweren Schicksalsschalg. Ich durfte der Autorin Lena Neve ein paar Fragen stellen und freue mich sehr über das Interview! Hier kommst du zu ihrer Website.

1. War von Anfang an geplant, dass die Lebensgeschichten der Eltern so viel Raum bekommen?

Ja, das war von Anfang an geplant. Jan, Simone und Lilien sind die engsten Zurückgebliebenen, und mir war wichtig zu zeigen, wie unterschiedlich Menschen mit einem schweren Verlust umgehen. Dabei kommen auch alte Verletzungen und Unstimmigkeiten an die Oberfläche. Denn manchmal muss genau das passieren, damit Heilung möglich wird und Beziehungen am Ende klarer werden können.

2. Was war dir bei der Darstellung der unterschiedlichen Arten zu trauern besonders wichtig?

Mir war wichtig zu zeigen, dass jeder Mensch anders trauert und seinen eigenen Weg finden muss. Die Trauer selbst gehört zu einem Verlust dazu und muss durchlebt werden. Aber Leiden muss nicht sein. Genau das ist auch eine wichtige Botschaft des Buches: Die Trauer muss sein – das Leid muss es nicht.

3. Die Trauer des Pferdes nimmt eine kleine, aber besondere Rolle ein. Woher hast du dein Wissen darüber?

Die Geschichte der Stute beruht tatsächlich auf einer wahren Begebenheit. Tamina, die in unserem Roman Tara heißt, habe ich zu Lebzeiten nicht gekannt. Vieles über sie und ihre Stute habe ich später von ihrer Mutter erfahren.

Interessanterweise hatte ich selbst vor etwa drei Jahren plötzlich den intensiven Wunsch nach einer eigenen Stute – obwohl ich das früher nie geplant hatte, wir hatten immer Hunde. So kam Flamenca zu mir, eine Dressurstute, mit der ich meine ersten eigenen Erfahrungen mit Pferden sammelte. Heute leben insgesamt drei Pferde unter meiner Obhut – darunter auch Quirrida, Taminas echte Stute. Das ist für mich eine ganz besondere Verbindung zu ihrer Geschichte.

4. Es gibt im Roman eine kurze, spirituelle Szene. Warum war sie für dich so wichtig?

Diese kurze spirituelle Szene ist eigentlich der Schlüssel zur Entstehung des ganzen Romans. Tamina – unsere Tara – hat nach ihrem Tod die Verbindung zu ihrer Mutter behalten. Ihre Mutter ist hellhörig und konnte ihre Tochter Tamina wahrnehmen. Auf diesem Weg hat Tamina ihr im Grunde das Buch „Mama, lass uns die Welt erobern“ diktiert, das ihre Mutter anschließend aufgeschrieben hat.

Als ich dieses Buch gelesen habe, war das für mich der Schlüsselmoment. Alles hat plötzlich einen Sinn ergeben. Diese Erfahrung wollte ich in unserem Roman weitergeben – bewusst einfacher und lebensnah erzählt, damit auch Menschen einen Zugang finden, die mit Spiritualität bisher nichts zu tun hatten.

Für mich persönlich hat diese Erkenntnis mein Leben verändert. Es ist befreiend, das Leben mit all seiner Schönheit und seiner Schwierigkeiten als Ganzes anzunehmen. Und vielleicht verliert man dadurch auch ein Stück der größten Angst überhaupt: der Angst vor dem Tod.

5. Wie kam es dazu, dass du „Nur ein Abschied“ im Self-Publishing veröffentlicht hast?

Meine Co-Autorin Anna Cavelius war zunächst überzeugt, dass wir einen Verlag finden würden, da sie bereits eine etablierte Ratgeberautorin ist. Wir haben viele Verlage angeschrieben und teilweise gar keine Antwort erhalten. Von Piper bekamen wir aber nach der Prüfung des Exposés und der ersten Kapitel sogar ein sehr positives Feedback – dennoch war das Thema letztlich zu schwer und offenbar auch ein Wagnis für die Verlage. Deshalb habe ich irgendwann entschieden: Diese Geschichte soll trotzdem ihren Weg zu den Menschen finden. Und so haben wir uns für Self-Publishing entschieden.

6. Welcher Teil der Bucherstellung von der ersten Idee bis jetzt zur Vermarktung war der schwierigste Teil?

Die größte Herausforderung ist sicherlich die Sichtbarkeit. In diesem Bereich habe ich bisher wenig Erfahrung, und natürlich braucht eine gute Vermarktung auch Zeit. Deshalb werde ich mich dem Thema Sichtbarkeit voraussichtlich erst im Herbst oder gegen Ende des Jahres intensiver widmen können.

7. Was möchtest du, dass Leserinnen und Leser nach der letzten Seite aus deinem Buch mitnehmen?

Meine Intention ist, dass die Menschen nach dem Lesen für sich ein kleines bisschen beginnen die Fragen zu beantworten: Warum sind wir eigentlich hier? Was ist der Sinn unseres Lebens? Woher kommen wir und wohin gehen wir nach dem Tod?

Geburt und Tod verbinden uns alle. Wir alle kommen in dieses Leben, und wir alle werden es irgendwann wieder verlassen. Der Tod gehört zum Leben genauso wie die Geburt – und vielleicht nimmt uns dieses Bewusstsein ein Stück weit die Angst davor.

Der Gedanke, dass unser Leben einem größeren Plan folgt, kann etwas sehr Befreiendes haben. Er kann uns helfen, gelassener zu leben und unseren Blick stärker auf das zu richten, was im Leben wirklich wichtig ist❤️.

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