Andrea Beerbaum veranstaltet eine Blogparade zum Thema Duft meiner Kindheit und als ich den Titel las, ploppten bei mir sofort Gerüche vor meiner inneren Nase auf. Nun ist für mich der Begriff „Duft“ positiv besetzt. Wie Wohlgeruch, etwas, was man gerne riecht. Tatsächlich wird der ein oder andere Leser die Nase rümpfen, wenn er liest, wie es in meiner Kindheit roch. Das waren nicht immer Gerüche nach Rosen und Veilchen. So viel sei schon mal gesagt…
Zigarrenrauch
Einer der wichtigsten Männer in meinem Leben war mein Opa Henner. Er war Zigarrenraucher und es roch daher bei meinen Großeltern, wo ich mich oft aufhielt, immer nach Zigarrenrauch. Wir wohnten mit Oma und Opa unter einem Dach. Daher begleitete mich dieser Geruch täglich.
Nach dem Tod meines Opas qualmte meine Mutter in Gedenken an ihn immer an Heiligabend eine Zigarre, damit es „wie früher“ roch. Sonst war sie Nichtraucherin.
Mein Opa verstarb 1997. Da war ich 15 Jahre alt. Obwohl das schon sooo lange her ist, weine ich immer noch manchmal, wenn ich an ihn denke. Er war ein herzensguter Mensch, der sich sehr viel Zeit für uns Enkel nahm. Er konnte stundenlag mit uns Gesellschaftsspiele spielen. Häufig saß ich im Kleingarten mit ihm auf der Bank vor der grünen Gartenlaube mit weißen Streifen. Wir beobachteten das rege Treiben der Meisen am Nistkasten und aßen dabei Semmel mit Butter. Dazu gab es (für mich stark mir Milch verdünnten) Kaffee. Ich glaube, der Erfinder des Latte Macciatto war mein Opa und nicht die Italiener ;-)!

Plumpsklo
Apropos Garten: Dort gab es ein Plumpsklo, genau wie Zuhause. Tatsächlich umströmte mich in meiner Kindheit also oft der „Duft“ von Exkrementen.
Abgase vom Bus-Depot
Direkt hinter unserem Haus lag der Busparkplatz der Verkehrsbetriebe. Schön aufgereiht standen dort die Ikarusbusse in ockergelb. Im Winter wurden die zeitig angelassen, um warm zu laufen und natürlich auch, um sie abtauen zu lassen. Dicke, schwarze Abgase stieß jeder einzelne dieser Busse aus. Es roch täglich nach Dieselqualm.
Hasenfell
Ein „Stofftier“ der besonderen Art war mein Hasenschwanz. Heute wahrscheinlich undenkbar, bekam ich irgendwann einmal den weiß-grauen Stummelschwanz eines geschlachteten Hasen geschenkt. Er diente mir zum kuscheln und ich habe heute noch seinen Fellgeruch in der Nase.
Westen
Zur Wende fuhren wir das Begrüßungsgeld abholen. Mit dem überfüllten Zug ging es zwei Mal nach Hof! Ich weiß noch genau, wie wir staundend im Aldi standen. Es roch so gut! Nach Westen! Es war eine Mischung aus Bananen und Waschpulver, die uns Kinder faszinierte. Der Duft nach etwas fremden und neuen ließ unsere kleinen Herzen aufgeregt schneller schlagen. Tatsächlich kauften wir uns vom ersten Westgeld Bananen zum Mittagessen und nahmen ein Glas Nutella mit zurück über die Grenze.
Später eröffnete in unserem Heimatort ein Penny als erster Supermarkt. Genau genommen war es ein großes weißes Zelt, was dann auf unserem Festplatz stand. Auch darin roch es noch nach Westen.
Entweder man hat sich an den Duft gewöhnt, oder es riecht nicht mehr so gut in den Supermärkten. Der Duft fehlt mir irgendwie.
Barackig
Kennst Du diesen Geruch von Holzlauben oder Schuppen, die lange nicht gelüftet wurden? So ein bisschen staubig und stockig, aber auch heimelig? Mir fällt kein passenderes Wort ein, als „barackig“. Vielleicht hast Du dafür einen schöneren Ausdruck?
Diesen besondere Duft roch ich in meiner Kindheit oft. Zum einen war mein Kindergarten in Baracken untergebracht. Besonders intensiv roch es im Schuppen für die Roller, Schubkarren und Laster. Zum anderen roch es in der Gartenlaube von unserem Kleingarten so. Mit beiden Orten verbinde ich positive Erinnerungen. Auch in den Bungalows vom Sommerferienlager war dieser Duft wahrzunehmen. Dort hatte ich ebenfalls immer eine schöne Zeit.
Parfum
Meine Oma und meine Mutter blieben ihren Parfums weitestgehend treu. Nach der Wende gab es ja bei uns auch endlich eine große Auswahl. Meine Oma nutzte „Tosca“, meine Mutter im Sommer „Sunflower“ und im Winter DKNY. Wir drei Mädchen dufteten nach oilily. Wenn Mama uns abends nicht persönlich ins Bett bringen konnte, weil sie zur Chorprobe war, oder zu einem Elternabend, dann sprühte sie manchmal Parfum auf ein Stofftaschentuch. So konnten wir sie beim Einschlafen riechen.
Mir hat dieser nostalgische Ausflug in meine Kindheit sehr gefallen. Man sollte viel mehr solcher Erinnerungen aufschreiben.
Wie roch Deine Kindheit?


















































































