Sylvia Tornau veranstaltet eine Blogparade mit dem Titel: „Ein Satz, der mich trägt“. Mich hat das Thema gleich angesprochen, denn ich versuche gerade einen Satz zu verinnerlichen, der mir Mut machen soll, mich tragen soll. Mein alter Leitsatz aus Kindertagen verlor nämlich schlagartig seine Wahrheit.
„So schnell stirbt man nicht!“
Diesen Satz hatte ich oft von meiner Mutter gehört, wenn wir Kinder uns mal wieder die Knie aufgeschlagen hatten, oder stark erkältet waren und in Sorge waren, ob wir das wohl überleben würden 😜. Dieser Satz beruhigte mich früher ungemein, schließlich ist meine Mama gelernte Krankenschwester. Sie musste es ja also wissen!
Später, als ich selber Krankenschwester lernte und in diesem Beruf arbeitete, behielt ich in brenzligen Situationen mit Hilfe diesen Satzes die Nerven. Ich sagte mir den Satz innerlich vor und konnte so professionell handeln, wenn es einem Patienten plötzlich schlecht ging.
Der Satz „So schnell stirbt man nicht“ begleitete mich bis zu meinem 30. Lebensjahr. In existenziell (vermeintlich) bedrohlichen Lagen war er meine Stütze. Was kann es besseres geben, als in solchen Situationen Halt zu haben?
Plötzlich war alles anders
Mein damaliger Verlobter und Vater unseres zweieinhalb jährigen Sohnes fiel vor meinen Augen um und stand nie wieder auf. „So schnell stirbt man nicht“ hämmerte es in meinem Kopf, während ich den Notruf wählte und anschließend mit der Herzmassage und Beatmung begann. Leider stimmte Mamas Mutmachsatz diesmal nicht und verlor auf sehr eindrückliche Weise seine Wahrheit für mich.
Und nun?
Tatsächlich zog es mir den Boden unter den Füßen weg. Der Satz war mein Beruhigungsfundament in jeglicher Notlage. Mutter hatte doch nicht Recht gehabt! Das, was ich über 29 Jahre fest geglaubt hatte, entpuppte sich als Lüge.
Die Folge waren anfangs Panikattacken mit Todesangst. Die bekam ich aber Recht schnell wieder in den Griff. Überhaupt besitze ich eine gute Resilienz und fasste schnell wieder Fuß im Leben.
Was ich bis heute behalten habe, ist die Angst, jemanden aus der Familie oder mir könnte etwas passieren. Jeder Kopfschmerz – eventuell ein Tumor. Jede fünfminütige Verspätung meines neuen Partners – ein tödlicher Autounfall. Ich weiß auch nicht, wie oft ich im ersten Lebensjahr unseres Jüngsten nachts geschaut habe, ob er noch atmet. Aus Angst vor dem plötzlichen Kindstod. Frag mich lieber nicht, wie es mir ging, als damals die ersten Coronaerkrankungen bekannt worden! (Oder Nein! Frag mich das ruhig! Als die ersten Meldungen aus China publik wurden, hatte ich mich nämlich sofort mit Desinfektionsmittel, Handschuhen und Mundschutz eingedeckt. Die Erkrankung war noch lange nicht in Europa angekommen, aber ich war besser vorbereitet, als alle deutschen Einrichtungen des Gesundheitswesens zusammen 😁.)
Diese Sorgen erstrecken sich aber nicht nur auf Krankheiten oder Unfälle. Ich habe gelernt, wie wertvoll das Leben ist. Aktuell fürchte ich mich vor dem Krieg und wie das Leben insbesondere meiner Kinder negativ beeinflussen könnte. Aus diesem Grund schaue ich auch keinerlei Nachrichten mehr. Jawohl, ich bin gänzlich unwissend. Aber besser unwissend, als gelähmt vor Angst.
Und weiter?
Meine Mutter ist Optimistin. Mein Vater Pessimist. Leider habe ich seine Eigenschaft geerbt. Ich sehe immer zuerst das Negative und mahle mir intensiv den Worst Case aus. Bei jeder Entscheidung und jedem neuen Umstand oder Ereignis erscheint bei mir sofort ein „Aber…“ Oder ein „Was, wenn…“. Gerne auch in Kombination: „Aber was, wenn es nicht klappt?“
„Was, wenn es gut wird?“
Diesen Satz las ich erst kürzlich in der Zeitschrift „Flow“. Er hat mich sofort angesprochen. Nein – er sprang mich quasi an! „Was, wenn es gut wird?“ Raus aus dem Problemdenken! Meist liegt die Chance ja immerhin bei 50 Prozent, dass eine Sache gut ausgeht. Bei vielen Dingen ist sie sogar noch viel höher. Das Glas ist halbvoll, nicht halbleer!
Noch habe ich den Satz nicht verinnerlicht. Er trägt mich also noch nicht wirklich gut. Ich muss noch ein bisschen selber mitpaddeln auf den Wellen des Lebens.

Aber ich arbeite daran. Immer wenn ich mich erwische, negativ zu denken, sage ich mir nun diesen Satz innerlich auf. Zudem zwinge ich mich quasi dazu, mir den positiven Ausgang in meinen Gedanken vorzustellen. Außerdem sammle ich Argumente, die für das glückliche Ende einer Sache sprechen. Das ist innere Arbeit, die mich sicherlich noch ein Stück begleiten wird. Es wird Rückschläge geben, aber ich bin zuversichtlich, dass mir mein Satz „Was, wenn es gut wird?“ dabei helfen wird, positiver zu denken.
Ich finde es übrigens auch sehr gut, dass er als Frage formuliert ist. Wenn man eine Frage gestellt bekommt, ist man im Zugzwang, darüber nachzudenken. Ich frage mich dann sofort „Ja, was ist dann eigentlich?“ und kann mir das positive Ergebnis gedanklich schon einmal vorstellen, um aus dem Sorgenkarussell auszusteigen. Der Satz „Alles wird gut!“ hätte diese Wirkung bei mir nicht, denn ich habe ja erlebt, dass halt nicht immer alles gut wird.
So und jetzt bist du dran: Hast du auch einen Satz, der dich trägt?















































