Im Roman „Wenn wir Frauen uns einig wären“ von Jule Marek geht es um mehrere Frauen in einer Kleinstadt in Florida mit unterschiedlichen Charakteren und Vorstellungen davon, wie das Leben und das Frausein eigentlich aussehen sollte. Was zunächst nach leichter Sommerlektüre mit Strand, Sonne und ein bisschen Liebe klingt, entwickelt sich sehr schnell zu einer Geschichte über weibliche Solidarität, patriarchale Strukturen und die Frage, was passieren kann, wenn Frauen anfangen, sich gegenseitig den Rücken zu stärken.

Überhaupt fand ich die gesellschaftliche Ebene sehr interessant. Hinter der Geschichte um die vier Frauen steckt nicht nur eine ziemlich deutliche Kritik an patriarchalen Strukturen. Später kommen auch Lokalpolitik und die Frage hinzu, wer in einer Kleinstadt eigentlich Einfluss darauf nimmt, wie sich Dinge verändern. Aus dem persönlichen Zusammenhalt der Frauen wird dadurch zunehmend etwas Politisches. Das hat für mich gut funktioniert, weil die Botschaft in die Handlung eingebettet bleibt.
Der Schreibstil
Das Buch liest sich flott. Ich bin gerade im zweiten Teil durch die Seiten gezogen, wie eine Sportschwimmerin. Die Handlung wird immer spannender und irgendwann ist man so tief in Richport und den Geschehnissen dort drin, dass man einfach wissen möchte, wie es ausgeht. Besonders eine Tauchszene ist mir dabei im Gedächtnis geblieben. Sie ist beklemmend, spannend und so beschrieben, dass ich beim Lesen tatsächlich ein bisschen mit der Luft angehalten habe. Nebenbei vermittelt der Roman viel Wissen übers Tauchen, ohne dass es sich für mich wie ein eingeschobener Sachbuchteil angefühlt hätte. Was es da alles zu beachten gilt, hätte ich nie gedacht!
Sprachlich hat mir der Roman gefallen, ohne herausragend zu sein. Er ist flüssig und gut lesbar. In manchen Dialogszenen war für mich nicht ganz sauber zuzuordnen, welche Person gerade sprach.
Die romantischen Elemente haben mir gefallen. Hier wird erfreulicherweise nicht alles ausbuchstabiert. Eine Liebesgeschichte entwickelt sich eher zwischen den Zeilen und lässt Raum für eigene Gedanken. Das mochte ich sehr.
Eine kleine Kritik
Meine größte Schwäche des Romans liegt bei den Figuren. Gerade am Anfang hatte ich häufig das Gefühl, dass die Charaktere sehr klar auf bestimmte Rollen verteilt sind. Besonders die Männer sind für mich stark in Gut und Böse eingeteilt. Die guten Männer haben kaum schlechte Seiten, die problematischen Männer kaum etwas, das ihr Verhalten in irgendeiner Weise menschlicher oder widersprüchlicher machen würde. Auch bei den Frauen bleiben die charakterlichen Grundzüge teilweise ziemlich eindeutig.
Dabei muss ich meine erste Einschätzung ein wenig korrigieren: Die Figuren entwickeln sich durchaus. Besonders Leni macht eine schöne Entwicklung durch und wächst im Laufe der Geschichte über sich selbst hinaus. Auch die zunächst sehr unterschiedlichen Frauen finden immer mehr zueinander. Trotzdem werden die Figuren dadurch für mich nicht automatisch vielschichtiger. Sie verändern ihr Verhalten und ihre Position, bleiben in ihrer grundsätzlichen Charakterzeichnung aber eher eindimensional.
Trotzdem: Ich habe dieses Buch wirklich gern gelesen. Es ist ein spannender, leicht zugänglicher Roman mit Sommerfeeling, Liebe und Liebesleid, gesellschaftlichen Themen und einer Gruppe von Frauen, die mir im Laufe der Geschichte tatsächlich ans Herz gewachsen sind.
So sehr, dass ich am Ende gedacht habe: Eigentlich würde ich ganz gern wissen, wie es mit diesen Frauen weitergeht. Und das, obwohl ich eigentlich gar keine Fortsetzungen mag.
Meine Bewertung
Für mich sind das vier einhalb Sterne von fünf, weil er mich über viele Seiten hinweg bestens unterhalten hat und gleichzeitig gesellschaftskritisch ist.