Buchrezension zu „Bucht der Engel – Als Sophie verschwand“ von Daniela Brezing

Was passiert mit Eltern, wenn die eigene Tochter verschwindet und niemand weiss, was mit ihr geschehen ist? Wie verändert eine solche Ungewissheit die Menschen, ihre Beziehungen und ihren Blick aufeinander? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Autorin Daniela Brezing in ihrem Roman „Bucht der Engel – als Sophie verschwand“.

Das war besonders gelungen

Die Geschichte hat mich schnell neugierig gemacht. Ich wollte wissen, was mit Sophie passiert ist, und habe mich immer wieder darauf gefreut, weiterlesen zu können. Die Auflösung hat mich sowohl inhaltlich als auch emotional überrascht. Besonders gut gefallen hat mir die Entwicklung zwischen den Eltern Marie und Fritz. Die Sprachlosigkeit zwischen ihnen fand ich überzeugend eingefangen. Beide gehen unterschiedlich mit der Situation um, und gerade Fritz‘ anfänglicher Rückzug wirkte auf mich nachvollziehbar. Wie sich ihre Beziehung im Verlauf der Geschichte verändert, empfand ich als glaubwürdig und gelungen.

Auch atmosphärisch hat mich der Roman angesprochen. Die Beschreibungen von Nizza, den hellen Fassaden und der sommerlichen Hitze erzeugen anschauliche Bilder. Mit der Zeit wiederholen sich die Sonnen- und Hitzemotive für meinen Geschmack allerdings zu häufig, sodass sie etwas von ihrer Wirkung verlieren.

Darüber hinaus greift die Autorin gesellschaftliche Themen auf, die besonders junge Frauen am Übergang ins Erwachsenen- und Berufsleben betreffen. Es geht um Selbstbestimmung, berufliche Perspektiven, Erwartungen von aussen und Machtverhältnisse in der Arbeitswelt. Diese Aspekte geben der Geschichte eine zusätzliche Ebene, die über die familiären Beziehungen und die Suche nach Antworten hinausgeht.

Die größten Stopersteine

Handwerklich hat der Roman für mich leider einige Schwächen. Manche Dialoge wirken unnötig ausführlich, weil sie die Handlung kaum voranbringen. Dazu kommen einzelne Unstimmigkeiten im Ablauf. Einige Formulierungen empfand ich als gekünstelt und bemüht literarisch. Auch der Buchsatz hat meinen Lesefluss durch auffällig grosse Wortabstände wiederholt gestört.

Bewertung

„Bucht der Engel als Sophie verschwand“ ist für mich ein spannender Roman mit einer überraschenden Auflösung, atmosphärischen Schauplätzen und überzeugenden Momenten in der Darstellung familiärer Beziehungen. Allerdings hätte ihm eine sorgfältigere sprachliche und handwerkliche Überarbeitung gutgetan. Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass in dieser Geschichte noch mehr steckt. Die familiären Beziehungen, die psychologischen Aspekte und die gesellschaftliche Kritik sind außergewöhnliche Buchthemen. Für mich ist es deshalb ein lesenswerter Roman, dessen Stärken nicht immer mit der Qualität seiner handwerklichen Umsetzung Schritt halten.

(Noch eine Anmerkung zur Transparenz: Die Autorin legt auf ihrer Website offen, dass das Cover mithilfe von KI entstanden ist und sie KI auch bei der Überarbeitung einzelner Formulierungen als Unterstützung genutzt hat. Diese Offenheit finde ich positiv. Zum jetztigen Zeitpunkt nehme ich allerdings keine Rezensionsexemplare mehr an, die mit Gen-KI erstellt wurden. Beim Lesen sind mir wiederholt Formulierungen aufgefallen, die auf mich künstlich und übermässig konstruiert wirkten. Ob und inwieweit diese mit der KI-Unterstützung zusammenhängen, kann ich nicht beurteilen. Meine Kritik bezieht sich daher auf die sprachliche Wirkung im fertigen Text.)

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