Interview mit der Autorin Lina Gröning

Ich durfte Lina Grönings großartigen Kurzroman „Void – Nach der Leere“ lesen. Und habe ihn natürlich auch rezensiert. Nun habe ich der Autorin ein paar Fragen gestellt. Danke für deine Zeit, liebe Lina!

Warum bist du auf die Idee gekommen, ein Buch über die Leere im Alltag mit einer älteren Protagonistin zu schreiben?

Ehrlicherweise ist mein Mann der Grund, warum dieses Buch existiert. Wir haben viel über Geschichten gesprochen und was ein Buch mitbringen muss, um zu faszinieren. Er liebt Geschichten aus dem echten Leben mit alltäglichen Konflikten und unperfekten Charakteren. Ihm ist daher auch der Roman gewidmet.

Aber die Idee kam während eines Wochenendurlaubs gemeinsam mit Freunden. Wir sind in eine kleine, unscheinbare Stadt gefahren und dort durch den Supermarkt gelaufen. Dort waren wir unglaublich irritiert davon, wie still es war, dass keine Musik lief und sind wie der sprichwörtliche bunte Hund durch die Gegend gelaufen.

Bei einem Spaziergang dort hat die Geschichte dann immer mehr Form angenommen und daraus ist schlussendlich VOID entstanden. Wir haben wilde Ideen gesponnen und das Ganze musste ich sofort zuhause aufschreiben!

Hast du eine echte Stadt im Hinterkopf gehabt, oder ist Woidt reine Fantasie?

Da hatte ich tatsächlich eine Stadt im Sauerland im Kopf (die mit dem absurd stillen Supermarkt). Dort war ich mal für ein Wochenende im Herbst vor etwa 5 Jahren und der Ort und die ganze Atmosphäre war die erste Inspiration für dieses Buch.

War von vorne herein geplant, das aus deiner Buchidee ein Kurzroman wird?

Ich wollte die Geschichte nicht in die Länge ziehen, sondern jedem Satz Bedeutung beimessen. Daher war mir klar, dass es eher ein kondensierter Roman wird. Anfangs dachte ich, es wird nur eine Novelle, aber dann ist mir Rita sehr nah gegangen und ich wollte ihr mehr Raum geben. Daher ist VOID sogar länger geworden, als ursprünglich gedacht war.

Ab wann wird aus Liebe Gewohnheit?

Das ist ein schleichender Prozess. Ich glaube, es beginnt, wenn man anfängt, Dinge für Selbstverständlich zu nehmen und sich nicht mehr an Kleinigkeiten erfreuen kann. Gerade die Alltagsmomente können es sein, die in einer langfristigen Beziehung Halt und Zuversicht spenden – oder eben alles etwas Grau wirken lassen.

Wie lief die Zusammenarbeit mit deiner Coverdesignerin ab?

Das war ein Träumchen! Ich hatte Patricia von Ciasphere Design über Instagram zufällig gefunden und fand ihr Portfolio und ihre Premades sehr hübsch. Also habe ich sie angeschrieben, ob sie sich auch vorstellen könnte, ein Cover für ein zeitgenössisches Drama zu entwerfen. VOID war zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz fertig, aber wir haben trotzdem direkt angefangen und Ideen ausgetauscht. Am Ende hat sie die ganze Stimmung so perfekt eingefangen, dass ich schon beim aller ersten Entwurf Tränen in den Augen hatte. Ich könnte mir kein besseres Cover vorstellen. Es kamen nur ein paar kleine Änderungen, die ganz einfach umgesetzt werden konnten.

Wie wichtig sind die Hausbewohner für das Buch?

Obwohl das Buch aus Ritas Sicht (wenn auch in der 3. Person) erzählt wird, war mir wichtig zu zeigen, wie unterschiedlich die Schicksale der einzelnen Figuren sind und wir sie trotzdem alle miteinander verwoben sind. Rita ist schließlich auch keine klassische Protagonistin. An vielen Stellen wollte ich sie anschreien und schütteln, weil sie gerade etwas Dummes tut oder sagt. Und auch Manni ist in dem Buch kein Antagonist. Er ist einfach nur kein guter Ehemann zu Rita. Das macht ihn aber nicht zu einem schlechten Menschen. Niemand in Woidt ist böse. Aber ich wollte trotzdem auch Figuren schaffen, die einen Kontrast bieten (und mit denen man einfach sympathisieren kann, wie Tilda beispielsweise). Wichtig ist mir, dass alle nicht klar gut oder schlecht sind – wie wir auch. Jeder hat liebenswerte und weniger liebenswerte Eigenschaften an sich.

Was wünschst du dir, sollen deine Leser:innen aus dem Roman mitnehmen?

Es gibt immer einen Grund, nach Farbe im Leben zu suchen! Vielleicht ist man selbst ein Farbspritzer für jemand anderen.

Und was möchtest du ihnen lieber als Frage mitgeben?

Was hättest du an Ritas Stelle getan? Was würdest du ihr raten, wenn sie deine Nachbarin wäre?

Besuche die Autorin Lina Gröning gern auf ihrer Website.

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