Dein Expertenstatus: Macht und Verantwortung

Vor ein paar Tagen schaute ich mir ein paar Storys auf meinem privaten Instagramprofil an. Ich folge dort mehreren Profilen von Müttern, die zur gleichen Zeit schwanger waren und nun Kinder im gleichen Alter wie ich haben.

Eine Story zog meine Aufmerksamkeit auf sich: Eine Mama hatte ein Foto von einem Arzneimittel hochgeladen und fragte ihre Community um Rat. Sie habe das Medikament vom Kinderarzt verschrieben bekommen und sei sich nun unsicher, ob sie es ihrem Kind wirklich geben sollte. Ein sehr bekannter Instagram-Kinderarzt habe ja mal gesagt, dass dieses Arzneimitttel nicht helfen würde.

Möchtest du wissen, was ich ihr schrieb? Ich sage es dir: Ich fragte sie, wem sie wohl mehr vertraut: Dem niedergelassenen Kinderarzt, der ihr Kind schon seit den ersten Tagen kennt, oder einem Internetarzt, der ihr Kind noch nie gesehen hat und daher auf Instagram allenfalls allgemeingültige Empfehlungen geben kann.

Mich beschäftigte diese Story noch lange. Sie regte mich zum Nachdenken an. Diese kleine Episode zeigte mir nämlich, wie hoch scheinbar das Vertrauen in diesen Instagram-Arzt war. Zumindest führten die gegensätzlichen Ärzteaussagen zu einer Verunsicherung. Die Drittmeinung sollten dann „Internettmuttis“ abgeben. Krass!

Experte auf Social Media – Chancen und Risiken

Meine Erkenntnissse aus der Instagram-Story: Wenn man es geschickt anstellt, kann man sich über das Internet (Blogs, Podcasts, Videoplattformen, Social Media) einen Expertenstatus aufbauen. Der Mehrwert in Form von Wissensvermittlung schafft Sicherheit. Mir dem Teilen von persönlichen Einblicken erzeugt man Nähe, der bei Symphatie zu einem Vertrauensaufbau führt. Wenn man seine Inhalte dann noch regelmäßig veröffentlicht, entsteht eine sichere Bindung. Diese Bindung kann dann meiner Meinung nach sogar fester sein, als die zum regionalen Anbieter. Welcher Arzt kommt schon ganz gemütlich mehrmals die Woche abends auf dem Sofa vorbei, so wie der Insta-Arzt übers Smartpone?

Viele Instagramnutzer möchten einen Expertenstatus aufbauen. Das betrifft auch mich. Das ist ja das System hinter einem Businessprofil auf Social Media und einem Firmenblog. Wir wollen unser Wissen und Können unter Beweis stellen, damit unsere Follower zu vertrauenden Kunden werden. Das Internet gibt uns die Chance, überregional als Experte (oder FACHgeschäft) sichtbar zu werden.

Außer dem Expertenstatus erreichen wir aber ab einer gewissen Profilgröße noch etwas: Einfluss und damit Macht! Wir tragen zur gesellschaftlichen Meinungsbildung bei. Mit dem wachsenden Vertrauen wächst auch unsere Glaubwürdigkeit. Das ist erst einmal positiv zu sehen, birgt aber auch ein Risiko: Unsere Verantwortung der Community gegenüber steigt!

Mein Tipp zum Umgang mit der Verantwortung als Experte

Überprüfe deinen Content auf Richtigkeit und kommuniziere klar, was Wissen ist und was deine eigene Meinung ist! Ich beobachte immer mal wieder, dass vermeintliche Informationen als allgemeingültige Weisheiten dargestellt werden, obwohl sie auf eigene Beobachtungen oder Interpretationen beruhen. Beispiel aus meiner Social-Media-Branche: Da wird den Followern der Algorithmus der Social-Media-Plattform erklärt und es werden sehr konkrete Tipps gegeben, wie: „Nutze immer zwischen 7 und 15 Hashtags“, oder anderes. Das Problem ist: Der Algorithmus ändert sich häufig und ist unbekannt. Überschriften wie: „die geheime Algorithmusformel“ sollten dich deshalb sehr vorsichtig werden lassen.

Selbstverständlich darfst du auch zu gewissen Dingen deine eigene Meinung äußern. Du als Expert*in deines Fachgebiets hast mehr Hintergrundwissen als deine Follower und demzufolge ist deine Meinung auch fundiert. ABER: Sag doch bitte dazu, dass es sich dabei um deine eigene Meinung oder Beobachtung dreht. Sei dir deiner Verantwortung bewusst!

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, was du für einen Einfluss auf deine Follower nimmst? Oder war dir das bisher nicht bewusst? Fühlst du Angst oder Beklemmung, wenn du darüber nachdenkst? Oder gibt dir das Wissen, mit deinem Internetauftritt eine Stimme zu haben, sogar Kraft und Motivation? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Ich bin neugierig!

Werde WAHRgenommen, deine Steffi

6 Kommentare zu „Dein Expertenstatus: Macht und Verantwortung

  1. hey steffi! wow das ist ein toller beitrag! weil ein so wichtiges thema! wir kennen und beobachten das sicherlich mehr oder weniger alle, aber ich hab es bisher noch bei keinem so krass auf den punkt gebracht gesehen wie bei dir hier in diesem beitrag! und natürlich auch die frage, was da die eigene verantwortung angeht – die bringt mich auch echt nochmal zu nachdenken! und ich hoffe andere auch! chapeau! lg, iris

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  2. Hallo Steffi,
    die Liebe zum Schreiben verbindet, lach:-)
    Danke für deinen Denkanstoß zum Thema Macht und Verantwortung!
    Ich selbst bin schon „reingefallen“ bei Pseudo-ExpertInnen, die von sich so sicher im Auftreten daherkamen, dass ich nicht anders konnte, als zu kaufen.
    Glücklicherweise hat mich das Thema daher sensibilisiert und ich selbst unterscheide in meinen Artikeln klar auf „Ist so“ und „Meine Meinung dazu“.
    Gut, dass du darauf hinweist, denn deine KundInnen werden sich durch deine Beratung gut entwickeln auf Social Media:-)
    Gruß Gabi

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  3. Liebe Steffi,
    ein sehr gut geschriebener Artikel. Gefällt mir sehr gut mit den Beispielen.

    MACHT haben wir jedoch nicht erst mit einem Expertenstatus. In jedem 1:1 geben wir etwas von uns, was dem anderen auf eine Art beeinflusst. Wir sollten beständig also sehr achtsam mit unseren Worten und Handlungen umgehen und, wie du sehr gut oben beschreibst, auch differenzieren, ob es meine ganz persönliche Meinung ist oder ein fundierter Fakt ist.

    Liebe Grüße und danke für deinen Beitrag.
    Steffi

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