Es gibt Menschen, die schon mit fünf wussten, was sie später werden wollen. Sie haben einen roten Faden in ihrem Leben, ziehen eine klare Linie, werden Ärztin, Tischler oder Jurist und bleiben es. Oder sie suchen sich schon frühzeitig ein Hobby. Und bleiben diesem treu.
Und dann gibt es Menschen wie mich. Ich empfand die Frage nach meinem Berufswunsch als Jugendliche als Bedrohung. „Rentnerin“ antwortete ich immer, um damit meine Ahnungslosigkeit witzig zu überspielen. Und ich spielte auch nur deshalb so ausdauernd Flöte, weil meine Mutter mich immer wieder dazu ermunterte. Wenn es nach meiner Lust gegangen wäre, hätte ich glaube ich schon nach wenigen Jahren das Handtuch geschmissen, weil es micht nicht mehr reizte. Nur: Bin ich deswegen gleich eine „Scanner-Persönlichkeit“? Oder einfach nur vielseitig interessiert?
In den letzten Jahren bin ich immer wieder über den Begriff „Scanner“ gestolpert. Mal klang das wie eine Diagnose, mal wie ein geheimes Talent. Also habe ich mich auf Spurensuche begeben.

Was bedeutet Scanner-Persönlichkeit überhaupt?
Der Begriff wurde von Barbara Sher geprägt und beschreibt Menschen, die nicht „die eine große Leidenschaft“ haben, sondern viele. Scanner springen nicht wahllos von A nach B, sondern sie sind neugierig, schnell begeistert, lieben Abwechslung und wollen sich nicht dauerhaft auf nur ein Feld beschränken.
Das bedeutet: Scanner sammeln Wissen, probieren neue Dinge aus, denken vernetzt und sind häufig die Ersten, die eine neue Idee sehen und ausprobieren.
Auf eine schnelle Phase des Wissenserwerbs, folgt oft ein Abfall des Interesses. Aber da lauert ja schon das nächste spannende Abenteuer!
„Man wechselt nicht ständig seine Interessen“, antwortete meine Mutter mir immer, wenn ich ihr beispielsweise früher erzählte, das eine Freundin die Bio-AG in der Schule verlassen hat, oder die Christenlehrestunde schwänzte, weil sie lieber zum reiten ging.
Dinge nicht durchzuhalten, oder nicht zum Ende zu bringen, war ein Makel, das lernte ich schnell.
Vielseitig interessiert vs. Scanner – wo ist der Unterschied?
Vielleicht bist du einfach ein Mensch mit vielen Interessen. Vielleicht bist du aber auch ein „klassischer“ Scanner. Die Grenze ist fließend.
- Vielseitig interessiert: Du hast einige Hobbys, vielleicht wechselnde Interessen, aber du kannst dich auch gut länger auf ein Thema konzentrieren. In der Literatur liest man ganz häufig den Begriff „vielbegabt“. Ich mag dieses Wort in diesem Zusammenhang nicht so gerne. Nur, weil ich mich für ein Thema sehr interessiere, heißt das noch lange nicht, das ich auf diesem Gebiet auch begabt bin.
- Scanner-Persönlichkeit: Du fühlst dich eingeengt, wenn du dich nur auf ein Feld beschränken sollst. Du bist oft schneller satt an einem Thema und brauchst den Wechsel, um dich lebendig zu fühlen.
Im Job bin ich konstant, zuverlässig, tief drin im Thema. Ich bilde mich gerne weiter und versuche, Dinge zu optimieren. Ich arbeite schon seit mittlerweile zehn Jahren in ein und dem selben Unternehmen.
Privat bin ich hingegen springend, erforschend, hungrig nach Neuem. Aktuell vertiefe ich mein Wissen in der englischen und französischen Sprache und lerne dänisch. Ich lese gerne, blogge, journale und male. Ich fotografiere Insekten und koche Marmelade aus den Früchten unseres Gartens. Auf Instagram bin ich ebenfalls aktiv.
Also: Was nun? Bin ich Scanner, oder vielseitig? Vermutlich eine Mischung aus beidem. Ich habe in Onlinetests mal das eine, mal das andere Ergebnis bekommen.
Typische Kennzeichen eines Scanners
Ob man sich nun „Scanner“ nennt oder nicht – ein paar Eigenschaften tauchen immer wieder auf:
- Neugier: Scanner wollen verstehen, ausprobieren, erleben.
- Schnelles Lernen: Sie steigen leicht in neue Themen ein.
- Breites Wissen: Über viele Felder verteilt – manchmal auf Kosten der Tiefe.
- Kreativität: Scanner denken ungewöhnlich, vernetzen scheinbar Fremdes.
- Enthusiasmus: Sie sind voller Energie, wenn sie ein neues Thema entdecken.
Diese Merkmale sind kein Stempel, sondern eher eine Tendenz. Vielleicht findest du dich in einigen wieder?
Vorteile einer Scanner-Persönlichkeit
Es gibt viele Dinge, die Scanner gut können:
- Vielfalt im Denken: Scanner sehen Lösungen, auf die andere nicht kommen.
- Flexibilität: Sie können sich schnell umstellen, wenn sich etwas ändert.
- Kreative Verbindungen: Sie kombinieren Wissen aus unterschiedlichen Bereichen.
- Lebensfreude: Neugier hält jung, neugierig macht lebendig.
- Ressourcenreichtum: Wer in vielen Feldern zuhause ist, hat viele Anknüpfungspunkte.
Manchmal fühlen sich Scanner wie zwischen den Stühlen. Als fehle ihnen ein fester Anker. Aber oft ist genau das ihr Geschenk: Ihr vielseitiges Interesse macht sie flexibler, als andere „festgefahrene“ Menschen.
Herausforderungen im Alltag
Natürlich hat alles zwei Seiten. Als Scanner oder vielbegabter Mensch kennt man vielleicht diese Stolperfallen:
- Überforderung: So viele Ideen, so wenig Zeit.
- Unruhe: Nie das Gefühl, irgendwo „anzukommen“.
- Selbstzweifel: Der Gedanke, nicht „tief genug“ zu sein.
- Fremdzuschreibungen: „Du bist sprunghaft“, „Du kannst dich nicht entscheiden“.
- Zeitmanagement: Projekte anfangen macht Spaß – Projekte beenden weniger.
Ich selbst kenne das: Im Kopf ein Feuerwerk an Ideen, auf dem Schreibtisch und im Haushalt To-do-Listen, im Herzen eine Mischung aus Begeisterung und Frust, weil ich nicht alles unter einen Hut bringe.
Mein eigener Platz ist irgendwo dazwischen
Nach meinen Tests und Erfahrungen komme ich zu dem Schluss: Ich bin weder Vollblut-Scanner noch einfach nur vielseitig. Ich bin etwas dazwischen. Vielseitig interessiert, neugierig, manchmal zerrissen, oft inspiriert.
Vielleicht ist das die eigentliche Wahrheit: Ich brauche nicht zwingend eine Schublade, mir reicht ein bunt beklebtes Regal 😉 Ob Scanner, Vielseitige oder irgendwas dazwischen: Mir doch wurscht!
Mein Fazit
Es gibt mehrere Begriffe mit ihren ganz eigenen Beschreibungen: Scanner, vielbegabt, vielseitig. Am Ende geht es weniger um den Begriff, sondern um die Gemeinsamkeiten: Wir sind Menschen, die sich schnell für neue Dinge begeistern, gerne neues lernen und sich nicht in Schubladen stecken lassen. Vielleicht ist genau das der wahre Kern: Wir müssen gar nicht die perfekte Schublade finden, denn wir sind so vielseitig, wie unsere Interessen.
Hast Du schon deine Schublade, oder dein Regal gefunden? Bist Du ebenfalls vielseitig, oder bleibst du lang andauernd wenigen Themen treu?






















