Du sitzt am Küchentisch. Dein Kind will Aufmerksamkeit, dein Handy vibriert mit neuen Nachrichten und in deinem Kopf dreht sich ein Karussell aus Ideen. Du würdest so gern ein neues DIY-Projekt starten, gleichzeitig reizt dich ein spannender Online-Kurs, und in einer ruhigen Minute würdest du am liebsten ein paar Zeilen in dein Journal schreiben. Doch stattdessen stapelt sich die Wäsche, der Alltag ruft und am Ende des Tages fragst du dich, wann eigentlich noch Platz für dich und deine Kreativität bleibt.

Wenn du dich in dieser Beschreibung wiederfindest, gehörst du vielleicht zu den sogenannten Scanner-Persönlichkeiten. Menschen, die voller Interessen, Ideen und Talente stecken, sich für vieles begeistern können und ungern auf nur ein einziges Thema festgelegt werden. Vielleicht bist du auch „nur“ vielbegabt. Ich habe mal versucht, die beiden Begriffe voneinander abzugrenzen. Wenn du zusätzlich Mutter bist, bedeutet das: Du jonglierst nicht nur mit Familienalltag und Verantwortung, sondern gleichzeitig auch mit deiner eigenen kreativen Vielseitigkeit. Irgend etwas kommt immer zu kurz. Und meistens sind das deine Interessen!
Mir ging (und geht) es zuweilen so. Aber es gibt einen Schlüssel, der dir und mir helfen kann, unsere Vielseitigkeit zu leben, ohne uns im Chaos zu verlieren: kleine kreative Routinen. Sie bringen Struktur in unser buntes Leben, schenken Selbstfürsorge und helfen, unsere Kreativität auch im vollen Alltag auszuleben.
In diesem Artikel erfährst du, warum Routinen für Scanner-Mütter so wertvoll sind, welche Formen besonders gut funktionieren und wie du es schaffst, sie ohne Druck in deinem Leben zu verankern.
Was bedeutet es, eine Scanner-Mutter zu sein?
Der Begriff „Scanner-Persönlichkeit“ geht auf die Autorin Barbara Sher zurück. Er beschreibt Menschen, die vor Ideen sprühen, vielseitig interessiert sind und sich selten auf ein einziges Projekt beschränken können. Scannerinnen sind neugierig, wissbegierig und lieben es, Neues auszuprobieren. Für sie ist das Leben zu bunt und vielfältig, um nur in einer einzigen Richtung unterwegs zu sein.
Als Mutter bringt diese Persönlichkeit jedoch eine besondere Herausforderung mit sich. Einerseits möchtest du deine Kinder begleiten, ihnen Geborgenheit und Struktur geben. Andererseits hast du das tiefe Bedürfnis, auch dich selbst zu entfalten mit all deinen Talenten und kreativen Ideen.
Genau an diesem Punkt entsteht oft ein Konflikt: Deine Vielseitigkeit fordert Raum, während dein Alltag kaum Lücken lässt. Du fühlst dich hin- und hergerissen zwischen den Bedürfnissen deiner Familie und deinem Wunsch, etwas für dich selbst zu tun. Das führt dann zu Frustration oder dem Gefühl, dich selbst zu verlieren.
Doch es gibt auch eine andere Perspektive: Als Scanner-Mutter bist du ein enormes Vorbild für deine Kinder. Du lebst ihnen vor, dass Kreativität, Neugier und Entfaltung Teil eines erfüllten Lebens sind. Alles, was du für dich selbst tust, inspiriert auch deine Familie. In meinem Beitrag Was ich als Mutter und Bloggerin für Selbstfürsorge bewirken möchte, gehe ich darauf ein, warum es mir wichtig ist, meinen Kindern die Kraft der Selbstfürsorge vorzuleben.
Warum sind Routinen gerade für Scanner-Mütter so wichtig?
Fast scheint es, der Begriff „Routine“ ist ein neues Modewort. Zumindest fällt das Wort sehr viel in meiner Instagram-Bubble. Wenn ich an das Wort „Routine“ denke, sehe ich vor meinen Augen eine ältere, beige gekleidete Dame, die gerade Wäsche faltet. Rentner haben Routinen. Sie könnten frei sein, aber richten ihren Tagesablauf nach der Uhr aus. Drei Mal täglich Tabletten schlucken, Mittagessen um 12 Uhr und so weiter. Und das geht nicht nur mir so: Viele Scannerinnen haben ein ambivalentes Verhältnis zu Routinen. Sie wirken oft langweilig, zu starr oder einschränkend.
Aber genau das Gegenteil kann der Fall sein: Routinen schaffen Freiraum. Sie geben deinem Alltag eine feste Struktur, auf die du dich verlassen kannst. Gerade dadurch gewinnst du Energie, die du für deine vielen Ideen nutzen kannst.
Besonders für Mütter sind Routinen ein wertvolles Werkzeug. Sie helfen, den täglichen Anforderungen standzuhalten, den mentalen Ballast zu reduzieren und kleine Inseln für die eigene Kreativität zu schaffen. Eine Routine ist wie ein kleiner Ankerpunkt, der dich immer wieder zu dir selbst zurückführt, auch wenn rundherum Chaos herrscht.
Wichtig ist allerdings, dass deine Routinen flexibel bleiben. Sie sollen dich nicht einengen, sondern dir Möglichkeiten eröffnen. Das bedeutet: Statt dich zu verpflichten, jeden Morgen eine Stunde lang kreativ zu sein, reichen oft schon fünf Minuten Journaling oder eine kleine kreative Handlung zwischendurch. Für Scannerinnen sind es gerade die kurzen, abwechslungsreichen Rituale, die den Unterschied machen.
Welche kreativen Routinen passen zu Scanner-Müttern?
Früher war mein Motto „ganz oder gar nicht“. Ich hatte mir selber den Glaubenssatz eingeredet, dass ich für Selbstfürsorge mindestens eine Stunde nur für mich benötigte. Sonst konnte ich es auch gleich lassen! Das Problem dabei war, dass ich diese Zeitspanne meistens nicht zur Verfügung hatte. Somit fiel meine Me-time komplett aus.
Heute sehe ich das anders. Auch kleine Zeitfenster können kostbar sein! Entscheidend ist, dass wir uns nicht zu viel vornehmen, sondern kleine, liebevolle Gewohnheiten finden, die sich mühelos in unseren Alltag einfügen.
Eine Möglichkeit sind Mikro-Rituale. Das kann ein kurzer Journaling-Moment am Morgen sein, in dem du ein paar Gedanken oder Dankbarkeiten notierst. Vielleicht ist es auch ein kleiner Skizzenmoment beim Kaffee oder ein Satz, den du dir abends aufschreibst, bevor du ins Bett gehst. Es sind die winzigen Schritte, die dich kontinuierlich mit deiner Kreativität verbinden. Gerade wir Scanner verlieren schnell unsere Begeisterung, wenn wir ausgedehnte Projekte haben. Mikro-Rituale passen deshalb gut zu unserem Naturell.
Auch familienfreundliche Routinen sind wunderbar. Du musst nicht immer alles allein machen. Lade deine Kinder ein, gemeinsam kreativ zu sein. Maljournaling, Basteln oder ein kurzes „Kreativ-Ritual“ vor dem Schlafengehen können für die ganze Familie bereichernd sein. So integrierst du deine Kreativität in den Alltag, ohne zusätzliche Zeitfenster freischaufeln zu müssen. Toller Nebeneffekt: Du bindest deine Kinder nicht nur ein, was Nähe und Verbindung schafft, sondern lebst ihnen gleichzeitig vor, „wie Selbstfürsorge geht“.
Natürlich darf es auch Solo-Kreativzeit geben. Vielleicht nimmst du dir einmal in der Woche 30 Minuten für dich, um zu malen, eine Collage zu kleben oder eine Mindmap für deine vielen Ideen zu zeichnen. Diese Zeit gehört nur dir und erinnert dich daran, dass deine Interessen wichtig sind.
Wie integrierst du Routinen in einen vollen Familienalltag?
Viele Mütter haben den Anspruch, ihre Routinen „perfekt“ umsetzen zu müssen, aber genau daran scheitert es oft. Der Schlüssel liegt darin, realistisch zu bleiben. Statt dich unter Druck zu setzen, eine Stunde lang kreativ zu sein, fang lieber klein an. Fünf Minuten reichen völlig, um den Kontakt zu dir selbst nicht zu verlieren.
Eine hilfreiche Methode ist das Ankoppeln an bestehende Gewohnheiten. Wenn du ohnehin morgens einen Kaffee trinkst, nutze diese Zeit für ein kurzes Journaling. Wenn du deine Kinder ins Bett gebracht hast, gönn dir noch ein paar Minuten mit deinem Skizzenbuch. Indem du Routinen an Dinge bindest, die ohnehin passieren, werden sie automatisch Teil deines Alltags. Ich zum Beispiel gönne mir fünfzehn Minuten für mich, wenn ich von der Arbeit komme und zu Mittag esse. Danach hole ich mein jüngstes Kind vom Kindergarten ab. Ein zweites Zeitfenster habe ich nach dem Abendessen. Meist spielt der Kleine dann noch etwas und ich habe Zeit, um zu journalen.
Ein zweiter Tipp: Blocke dir deine Zeit für Selbstfürsorge in deinem Terminkalender. Einen Zahnarzttermin verschiebst du auch nicht mal ebenso. Diesen psychologischen Kniff kannst du dir zu Hilfe nehmen, wenn du dazu neigst, das Familienwohl deiner Me-time vorzuziehen. Selbstfürsorge ist notwendig und KEINE Belohnung!
Womit kannst du Routinen gestalten?
Manchmal hält uns die Vorstellung zurück, dass wir für kreative Routinen erst die perfekte Ausstattung brauchen. Aber in Wahrheit reicht schon ein einfacher Stift und ein Blatt Papier, um loszulegen.
Wenn du Freude an schönen Materialien hast, kannst du dir ein Journal aussuchen, das dich inspiriert, oder ein Set bunter Stifte. Vielleicht entdeckst du auch die Lust an Aquarellfarben, Collagen oder Washi-Tape, mit denen du dein Journal lebendig gestalten kannst.
Digitale Tools sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, Routinen zu unterstützen. Notizen-Apps, digitale Moodboards oder ein Tablet mit Zeichenfunktion können dir helfen, auch unterwegs kreativ zu sein. Entscheidend ist nicht das Material, sondern die Kontinuität. Fang klein an und erweitere deine Möglichkeiten, wenn du merkst, dass es dir guttut.
Für wen eignen sich diese Routinen besonders?
Die hier beschriebenen Routinen sind für all jene Mütter wertvoll, die das Gefühl haben, ihre eigenen Interessen im Alltag aus den Augen zu verlieren. Sie sind ideal für Scannerinnen, die vor Ideen sprühen, aber keine Struktur finden. Und sie sind ein Geschenk für Frauen, die Selbstfürsorge und Kreativität nicht länger als getrennte Bereiche sehen wollen, sondern beides miteinander verbinden möchten.
Wenn du zu den Frauen gehörst, die oft denken „Ich würde ja so gerne, aber ich habe keine Zeit“, dann sind kreative Routinen genau das Richtige für dich. Sie holen dich aus diesem Gefühl heraus und zeigen dir, dass auch kleine Schritte zählen.
Schritt-für-Schritt: Deine kreative Routine als Scanner-Mama
Wie fängst du nun konkret an? Am besten wählst du ein einziges Ritual, das dir Freude macht. Das kann ein Dankbarkeits-Journaling am Morgen sein oder ein kurzes Zeichnen am Abend. Setze dir ein realistisches Zeitfenster: Lieber fünf Minuten, die du einhältst, als eine Stunde, die du nie beginnst.
Lege Materialien, die du benötigst in dein Blickfeld. So wirst du immer wieder daran erinnert, dass du dir Zeit für deine Selbstfürsorge nehmen wolltest. Außerdem fällt der Einstieg leichter. Es ist viel bequemer, einfach loslegen zu können, als erst noch umständlich Zeichenutensilien, Bücher, oder dein Strickzeug heraussuchen zu müssen.
Dann verbindest du dieses Ritual mit etwas, das ohnehin in deinem Alltag stattfindet. Vielleicht schreibst du in dein Journal, während du deinen Kaffee trinkst. Oder du malst ein paar Linien, nachdem du deine Kinder ins Bett gebracht hast. Je stärker du dein Ritual mit bestehenden Abläufen verknüpfst, desto leichter wird es dir fallen, dranzubleiben.
Vergiss nicht, dir selbst gegenüber liebevoll zu bleiben. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Manchmal wirst du deine Routine auslassen und das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass du immer wieder zurückkehrst. Feiere kleine Erfolge, und erinnere dich daran, dass jeder noch so kurze Moment für dich selbst zählt.
Breche deine Ziele auf kleine Etappen herunter. Wenn du ein größeres Projekt hast, kann es schnell frustrieren, dass du gefühlt nicht vorwärts kommst. Das große Leinwandbild wird nicht fertig, der Strickpullover gleicht eher einem Bikini. Versuche den Druck abzumildern, indem du dir kleine Meilensteine setzt. Auch die fertige Grundierung, oder ein gestrickter Ärmel ist toll!
Warum lohnt sich das Dranbleiben?
Wir brauchen ungefähr 90 Tage, bis eine neue Sache zur Gewohnheit wird. Es lohnt sich also, gerade in der ersten Zeit dranzubleiben. Dann wird eine Routine daraus und die Umsetzung fällt dir immer leichter, bis sie zur Alltäglichkeit wird. Beim Zähneputzen klappt das doch auch, oder? Außerdem gibst du so auch deinen Familienangehörigen die Möglichkeit, sich an deine neue Art der Selbstfürsorge zu gewöhnen. Mein Mann schaut mich beispielsweise nicht mehr fragend an, wenn ich in mein Journal schreibe.
Wenn du kreative Routinen in deinem Alltag verankerst, wirst du bald Veränderungen spüren. Du wirst merken, dass du klarer denkst, entspannter bist und dich weniger im Chaos verlierst. Du gewinnst kleine Oasen der Ruhe, die dir Kraft schenken. Und vor allem stärkst du deine Identität als kreative, vielseitige Frau.
Deine Routinen zeigen dir, dass es nicht entweder Familie oder Kreativität sein muss. Beides ist möglich, wenn du es in kleinen, liebevollen Schritten lebst. Und genau darin liegt die große Kraft: Statt dich überfordert und ausgebremst zu fühlen, wächst du mit deinen Routinen hinein in ein Leben, das dich mehr erfüllt.
Und jetzt du!
Kreative Routinen sind kein Luxus, sie sind ein Anker. Gerade als Scanner-Mutter brauchst du kleine Rituale, die dir helfen, deine Vielbegabung zu leben, ohne dich zu verlieren. Sie schenken dir Struktur und Selbstfürsorge und machen dir bewusst, dass deine vielen Ideen ein Geschenk sind, kein Problem.
Ob ein kurzer Journaling-Moment am Morgen, ein kreatives Abendritual mit deinen Kindern oder ein paar Minuten Skizzieren nur für dich: Es sind die kleinen Routinen, die den Unterschied machen. Perfektion ist dabei nicht das Ziel. Viel wichtiger ist, dass du dir selbst immer wieder Raum schenkst und deine Kreativität in deinem Alltag verankerst.
Also: Warte nicht auf den perfekten Moment. Fang heute mit deiner ersten Mini-Routine an. Nimm dein Journal, schreib drei Sätze auf, oder male ein kleines Bild. Spüre, wie gut es tut, dir selbst diese Zeit zu schenken. Und erlebe, wie schon der kleinste Schritt dich näher zu mehr Klarheit, Freude und kreativer Erfüllung bringt.





















