All die Farben, all das Licht von Cora Wucherer erschienen im Klett-Cotta Verlag, wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar von Vorablesen zur Verfügung gestellt.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei Schwestern. Juna, die Ältere muss lernen, mit einer schweren Erkrankung zu leben, die ihr nach und nach das Augenlicht nimmt. Außerdem hört sie schlecht. Sie malt leidenschaftlich gerne und ist talentiert, was natürlich mit der zunehmenden Sehschwäche keine Zukunft hat. Ihre jüngere Schwester Martha steht zumindest zu Beginn der Geschichte oft in ihrem Schatten. Es entsteht das Gefälle, das man in Familien mit einem chronisch kranken Kind häufig beobachten kann: Ein Kind benötigt besonders viel Aufmerksamkeit, während das andere sich zurücknimmt.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Mutter der beiden bei Marthas Geburt gestorben ist. Ihr Vater zieht die Schwestern allein groß, und die Frage, wie eine Familie mit diesem Verlust lebt, beziehungsweise ihn zu Beginn verdrängt, zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman.
Obwohl das Buch wunderschön geschrieben ist und sich sehr leicht lesen lässt, brauchte ich eine Weile, um wirklich Zugang zu den beiden Schwestern zu finden. Die Geschichte wird durchgehend abwechselnd aus Junas und Marthas Perspektive erzählt. Anfangs blieben mir beide irgendwie fern. Doch das änderte sich. Mich begann, ihre Geschichte zu berühren und schließlich ließ sie mich nicht mehr los.
Mir wurde immer klarer, dass dieser Roman weit mehr erzählt als die Geschichte zweier Schwestern, die zunächst miteinander rivalisieren, um dann doch zueinander zu finden. Er handelt ebenso vom Erwachsenwerden und davon, was es mit einer Familie macht, wenn die Mutter fehlt, wie Trauer nachwirkt und wie unterschiedlich Menschen mit Verlust umgehen. Die verdrängende Sichtweise des Vaters konnte ich sehr gut nachvollziehen. Der Papa meines älteren Sohnes starb, als dieser noch ein Kleinkind war.
Am Ende hat mich das Buch sehr bewegt zurückgelassen. Es erzählt eine außergewöhnliche Geschichte mit viel Gefühl.
Von mir erhält All die Farben, all das Licht eine klare Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen.

