Alexandra Cordes-Guth fragt in ihrer Blogparade nach unseren besten Glücksstrategien.
Schon die Tatsache, dass sie nach Strategien, also Methoden fragt, die uns glücklich machen, lässt den Schluss zu, dass Glück keinesfalls vom Himmel fällt. Eine göttliche Fügung, das Schicksal oder das Universum meinen es einfach gut mit uns. So denken zumindest viele.
Aber selbst wenn jemand Glück hat und einen Sechser im Lotto tippt, hat der Glückspilz etwas Entscheidendes vorher getan: Er hat einen Lottoschein ausgefüllt und diesen bezahlt! Er hat also einen Anteil daran, dass er gewonnen hat. Er hat das Glück quasi eingeladen, ihm den Weg geebnet.
Mit Anfang 20 wurde mir bewusst, dass ich aktiv sein muss, um glücklich zu werden. Ich arbeitete damals als Krankenschwester in Vollzeit in einem privaten Pflegedienst und wartete Monat für Monat, Dienstplan für Dienstplan vergebens darauf, dass ich endlich mal einen „schönen“ Dienstplan ohne Überstunden und Doppelschichten bekam, um mein Privatleben genießen zu können. „Nächsten Monat wird es bestimmt besser“, tröstete ich mich jedes Mal, nur um wieder enttäuscht zu werden. Irgendwann, ganz ohne Schlüsselmoment erkannte ich, dass ich mein Leben mit Warten auf bessere Zeiten vergeudete. Von da an genoss ich meine spärlichen freien Tage mehr. Mit meinem Partner zusammen gingen wir viel essen, ins Kino und in die Diskotheken (damals hieß das noch nicht „Club“) der Umgebung.
Ein schwerer Schicksalsschlag mit Ende 20 zeigte mir dann noch einmal sehr eindrücklich, dass das Leben innerhalb kürzester Zeit auch als junger Mensch vorbei sein kann. Mein Partner verstarb an einem Herzinfarkt und ließ mich mit unserem zweieinhalb jährigen Sohn zurück. Von da an beschloß ich, glücklich zu werden. Das war natürlich nicht so einfach und dauerte lang, denn ich trauerte. Eine wichtige Erkenntnis aus dieser Zeit: Glück und Trauer sind Gegensätze, die einander aber nicht ausschließen. Du kannst auch in der Trauerphase Glücksmomente verspüren und im Rausch des Glücks trotzdem auch traurig sein.
Auf der Suche nach dem Glück
Glück ist etwas höchst individuelles. Es gibt Menschen, die setzen Glück mit Erfolg gleich. Sie fühlen Erfüllung, wenn sie nach 12 Arbeitsstunden ihr großes Haus betreten und sich viel Luxus leisten können. Oder sie fühlen sich lebendig, wenn sie als Frau den Haushalt wuppen, die Kinder erziehen, berufstätig sind und nebenbei noch studieren. Es gibt aber auch Menschen, die erfüllt es mit Glück, wenn sie Zeit für sich und ihre Familie haben. Statussymbole sind ihnen weniger wichtig und sie streben auch keine außergewöhnliche Karriere an. Manche fühlen sich glücklich, wenn sie sich mit ihrem großen Freundeskreis verabreden können. Andere sind einfach nur froh, wenn ihre Gesundheit es zulässt, den Alltag zu bewältigen.
Wichtig ist auf alle Fälle, dass man weiß, was einen gücklich macht. Ich glaube in der heutigen Konsum- und Social-Media-Scheinwelt ist es sehr wichtig, zu hinterfragen, was eigene Wünsche sind und welche Dinge uns als Must-haves eingeredet werden.

Strategie 1: Die Bucket List
Eine tolle Methode, solche ganz subjektiven Glücklichmacher zu sammeln, ist die Bucket List. Das ist eine Ansammlung von Dingen, die man bis zum Lebensende noch tun, besitzen und erleben möchte. Ich finde, von solch einer Liste geht eine große Kraft aus, Wünsche in Ziele zu verändern und sie sich letztendlich auch aktiv zu erfüllen. Meine Bucket List habe ich 2019 geschrieben. Hier ist sie:
- Paris
- Island
- eine Kreuzfahrt (Nordeuropa)
- Wien
- Klimahaus Bremerhaven
einen top gestalteten Garten inklusive Teichist mir nicht mehr wichtig, naturnahes Chaos ist mir lieber- ✅fitter und schlanker sein
- ✅Heiraten (ist vollzogen)
- ✅Grenen in Norddänemark (schon erledigt)
- ✅rauschfreiere Kamera und lichtstärkere Objektive (Kamera ist mittlerweile neu)
- eine eigene Fotoausstellung
- ✅eine Meerschweinchenfamilie (sind zwei Katzen geworden 🙂)
- zum Sonnenaufgang ganz spontan ans Meer fahren
- Urlaub am Wattenmeer
- ✅Morgenmakros machen (bin Spätaufsteher) (abgehakt)
- ✅Wellnessurlaub in einem Hotel mit Thermalbad (siehe hier)
nebenberuflich selbstständig machen mit Fotografie/Workshops für Anfängernicht mehr wichtig- ✅oder einen (Mini)job bei dem ich den Social Media Bereich eines Unternehmens betreue und/oder einen Firmenblog führe habe ich gemacht, war nebenberuflich selbstständig
- ✅ein Kind
- Polarlichter sehen
Du siehst, ich habe mir schon einige Wünsche erfüllt und andere Ziele sind mir mittlerweile gar nicht mehr so wichtig. Genau so wie wir uns verändern, darf sich natürlich auch unsere Bucket List (auch Löffelliste) wandeln.
Strategie 2: kreativ sein
„Ich bin einfach unkreativ“, ist ein Glaubenssatz, den viele Menschen hegen und pflegen. Auch mich prägte in der Kindheit dieser Gedanke. Meine Kindergärtnerin (damals hieß das noch so) erzählte meiner Mutter immer wieder, wie unmusikalisch und unmalerisch ich war. Auch der Umgang mit der Schere war für mich ein Graus!
Ich lernte zwar in meiner Jugend ein Instrument und sang im Kirchenchor (soviel zum Thema unmusikalisch) und glänzte immer in den Aufsätzen in Deutsch, meine gestalterische Kreativität erweckte ich aber erst mit Mitte 20. Zuerst tobte ich mich im fotografischen Bereich aus, dann stolperte ich über die Website von Clarissa Hagenmeyer. Mein naiver Malstil, über den man in meiner Jugend im Kunstunterricht lachte, war bei ihr nämlich „in“. Ich lernte, dass das eigentlich Schöne der Malprozess an sich ist und es gar nicht so auf das Ergebnis ankommt. Seitdem male ich mit viel Freude und probiere in diesem Bereich auch immer wieder Neues aus. Doodeln, collagieren, aquarellieren, Neurographik… nichts ist vor mir sicher. Ich komme dabei zur Ruhe und ja – es löst in mir eine tiefe Zufriedenheit und Glücksgefühle aus.
Es gibt so viele Möglichkeiten, kreativ zu werden, etwas schöpferisches zu tun. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die wirklich gar nichts kreatives in sich tragen. Wahrscheinlich hat es nur nicht für jeden die gleiche Priorität im Leben und der oben genannte Glaubenssatz lässt es gar nicht zu, sich darüber mal Gedanken zu machen. Schade!
Strategie 3: Selbsterkenntnis mit Hilfe von Journalen
Nein, Journalen ist KEIN Tagebuch schreiben! Lies gerne den Artikel von Bianca Fritz, der die Methode sehr gut beschreibt! Belastende Dinge, unausgesprochene Gedanken, die in meinem Kopf kreisen, aber auch einfach das Sammeln von Erkenntnissen – Journalen hilft mir, mich besser zu verstehen. Durch Selbstreflexion baue ich immer wieder ein Verständnis für mich auf. Ich weiß, was mir gut tut, oder warum mich etwas stresst. Selbsterkenntnis ist eine meiner Werte. Nur wenn ich nah bei mir bin und mich kenne, kann ich mir selber eine gute Freundin sein. Was nützen mir Statussymbole und äußerliches Glück, wenn ich im Inneren gar nicht Zuhause bin? Gar nichts, denn Glück wird innerlich gefühlt.
Strategie 4: Erlebnisse und besondere Momente schaffen
Ich finde es sehr wichtig, sich ganz bewusste Erlebnisse zu schaffen. Die kommen nicht von allein! Egal, wie wenig Zeit dafür ist oder wie fordernd gerade der Alltag ist: Erlebnisse und besondere kleine Momente bieten Ablenkung und dienen mir als Anker für eine Auszeit. Das kann ein Wannenbad sein, ein Ausflug, ein Urlaub, mein Lieblingsessen, oder ein spontaner Besuch eines Eiscafes. Alles, was positiv vom normalen Alltag abweicht, sind kleine oder große Glücklichmacher für mich. Je häufiger ich sie mir gönne, desto nachhaltiger glücklich bin ich. Nachhaltig bedeutet, dass dann stressige Arbeits- oder Alltagsphasen für mich leichter zu überstehen sind.
Strategie 5: Natur beobachten und dabei entschleunigen
Warme Sonne, wogende Felder, leichter Wind, summende Insekten, duftende Blumen… Ich könnte ewig so weiter machen! Mein Garten und überhaupt das Draußensein macht mich glücklich. Das gelingt am besten, wenn ich wirklich ganz bewusst darauf achte. Ich streife gerne durch den Garten und gehe spazieren. Die Bewegung tut mir gut. Es erdet mich und ich komme dabei wunderbar runter. Die Welt dreht sich auch weiter, wenn es mal in meinem Leben holpert, denke ich mir dann. Tröstlich, irgendwie.
Zwei Strategien, die bei mir nicht geklappt haben
Es gibt den Ansatz, dass Dankbarkeit glücklich macht. Da gehe ich voll mit! Eine Methode, mehr Dankbarkeit ins Leben zu lassen ist, sich jeden Abend drei Dinge aufzuschreiben, für die man am Tag dankbar war. Diese Methode habe ich letztes Jahr verfolgt, aber ich bin gescheitert. Nicht, weil mir nichts eingefallen ist, sondern weil es mich unter Druck setzte. Ich habe es immer häufiger vergessen, aufzuschreiben. Ich bin ein sehr dankbarer Mensch und habe für mich erkannt, dass es mir nichts gibt, wenn ich meine Dankbarkeit aufschreibe. Das heißt natürlich nicht, dass es für andere funktionieren kann.
Eine zweite Methode, die bei mir nicht funktionierte ist das Glücksglas. Zwei Arbeitskolleginnen schenkten mir zu Beginn des Jahres 2024 ein sehr hübsch gestaltetes Glas, in dem ich vor hatte, Glücksmomente zu sammeln. Den Ausdruck „Marmeladenglasmomente“ liest man häufiger. Leider vergaß ich auch die Möglichkeit, mein Glück zu sammeln. Aber ich gebe dem Glas diesesJahr noch einmal eine neue Chance!

Und nun bist Du gefragt: Gibt es Strategien, die Du ebenfalls verfolgst? Oder hast Du vielleicht noch ein paar andere Methoden? Ich bin gespannt und freue mich über Deine Sicht auf das Glück!
Das mit dem Dankbarkeitstagebuch kann ich voll nachvollziehen! 😀
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Hat mich genervt😁
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Liebe Steffi, danke für diesen wundervollen Beitrag zu meiner Blogparade. Und die vielen Erfahrungen und Anregungen, die du hier teilst. Sehr berührt hat mich dein Gedanke, dass Trauer und Glück sich nicht ausschließen müssen. Das ist schon ein sehr tiefer Zugang zum Glück. Und ein sehr wahrer. Toll finde ich auch, dass du schreibst, was für dich nicht funktioniert. Das zeigt, wie wichtig es ist, seinen individuellen Weg zu suchen und sich nicht unter Druck zu setzen mit dem, was für andere funktioniert. Eine Bucketlist habe ich auch und was für mich ein täglicher Glücksmoment ist: Das Journaling. Das hast du sehr gut beschrieben. Dadurch kann ich mich selbst besser verstehen und glücklicher mit mir selbst sein. Auch in vielen anderen Punkten sehen meine Glücksstrategien ähnlich aus. Schön, dass wir beide Glücksfängerinnen sind!Herzliche Grüße
Alexandra
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