Seit etwa einem Jahr lese ich fast täglich. Es ist ein wunderbares Hobby und hat mir schon viele schöne Stunden beschert. Meine Rezensionen findest du auf Instagram und ich möchte in Zukunft auch hier mehr darüber bloggen.
Restsommer von Kea von Garnier

Zuletzt las ich den Roman „Restsommer“ von Kea von Garnier. Der Roman (mit sehr schönem Cover) handelt von Dominik, einem Jugendlichen, der mit seinem Vater in der Provinz zusammenlebt. Sein Vater wünscht sich, dass Dominik mal sein Bestattungsinstitut weiterführt. Aber was ist mit seinen eigenen Plänen? Und was passiert, als sich Dominik zum ersten Mal verliebt, ganz anders als gedacht?
Ich finde es unglaublich schwierig, das Buch zu rezensieren, ohne zu viel zu spoilern. Ein Kurzfazit: Restsommer ist ein Roman, der nach Sommer schmeckt und nach Aufbruch riecht. Ein Coming-of-Age-Roman der Spitzenklasse!
Zum Inhalt
Der Roman beginnt recht ruhig. Wir erleben Dominik und seine Clique. Sie machen zusammen Musik, hängen im Freibad ab und wir lernen das Bestattungsinstitut kennen, welches Domis Vater mit Leidenschaft betreibt. Der Roman nimmt dann unglaublich an Fahrt auf, als Biff, der Neue in der Klasse, mit Domi nach Berlin fährt. Ab da entwickelt sich der Roman zum Pageturner! Es geht um Identität, Freiheit, vorbestimmte Wege, queere Liebe und emotional nicht verfügbare Eltern.
Der Schreibstil
Hervorzuheben ist nicht nur die Story, sondern auch die Erzählweise und der Schreibstil. Man fühlt förmlich den trockenen Sommerstaub auf den Lippen und ich habe mich noch nie! so sehr in die Hauptfiguren hineinversetzen können, wie in diesem Buch! Man ist emotional unglaublich nah an den Figuren dran. Das hat an manchen Stellen richtig weh getan und etliche Taschentücher gebraucht. Mir tat es einfach nur leid, wie die zwei, die eigentlich glücklich zusammen ihre zarte Liebe zueinander entdeckten (wunderbar beschrieben), sich verstecken mussten. Und auch wie sie teilweise miteinander umgingen war schwierig zu beobachten. Die beiden hatten es einfach nie von den Erwachsenen gelernt! Die zwei Protagonisten sind mir so ans Herz gewachsen, dass ich sehr traurig war, als das Buch zuende war. Eine anrührende Geschichte!
Was das Buch mit mir gemacht hat
Noch zwei Tage nach Beendigung des Buches standen mir die Tränen in den Augen, wenn ich an Domi und Biff zurück gedacht habe. Nun bin ich weder jugendlich, noch queer. Was also führte zu solch starken Gefühlsausbrüchen meinerseits? Ich stellte mir unweigerlich diese Frage, denn es musste da einen tieferen Grund geben.
Ich denke, ich habe ihn gefunden. Eine Zeit lang mussten die beiden Protagonisten ihre Liebe geheim halten und sich verstellen. Ihre Eltern waren emotional nicht verfügbar, oder sogar ablehnend. Ich erlebte meine eigene Jugend ebenfalls so, dass ich meinen Eltern nicht öffnen konnte. In der Pupertät ist man ziemlich verletzlich. Wenn man dann innerhalb der Familie merkt, dass man „falsch“ ist, wenn zum Beispiel Liebeskummer ins Lächerliche gezogen wird, oder man sich bei Problemen „nicht so haben“ soll, verinnerlicht man das irgendwann. Erlebt man mehrmals hintereinander, dass die Eltern ablehnend oder uninteressiert reagieren, versucht man gar nicht mehr, mit ihnen Gefühle oder Sorgen zu besprechen. Ich bin noch heute sehr verschlossen.
Bei mir war es nicht die Sexualität, die zu Ablehnung innerhalb des Elternhauses führte, sondern meine Hochsensibilität und mein Übergewicht, die nicht „der Norm“ entsprachen. Dies hatte ich all die Jahre sehr säuberlich verdrängt, wie es scheint. Durch dieses Buch kamen Konflikte aus meiner Jugend wieder nach oben. Deshalb meine „Gefühlsduselei“.
meine abschließende Meinung
„Restsommer“ ist absolut lesenswert. Die Story ist außergewöhnlich und wird mit einer sehr eindrücklichen und literarischen Erzählweise präsentiert. Das Buch ist ein Muss für alle, die Coming-of-Age-Romane lieben und eignet sich sehr für die wärmere Jahreszeit und für Menschen, die gerne psychologische Themen betrachten. Es wäre eine prima Lektüre für den Schulunterricht und ich könnte mir das Buch auch als Verfilmung gut vorstellen. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.