Journaling ist was für unausgelastete junge Frauen mit zu viel Zeit, dachte ich. Und überhaupt – Was soll das bringen? Das waren lange Zeit meine Gedanken. Ich hatte mich nie mit Journaling beschäftigt und dachte, es ist einfach nur wie Tagebuch schreiben. Am besten noch in einem selbst gestalteten Bullet Journal!
Heute denke ich darüber ganz anders. Ich änderte meine Meinung, nachdem ich den Zauber des Journalens das erste Mal erlebt hatte.

Was ist Journalen überhaupt?
Journaling hat nicht das Ziel, seinen Tagesablauf zu notieren. Dies ist der größte Unterschied zum Tagebuch schreiben. Beim Journaling geht es eher darum, Gedanken aufzuschreiben. Diese liegen manchmal verborgen und es gibt verschiedene Techniken, um sie ins Bewusstsein zu rücken.
Viele Menschen nutzen so genannte „Journaling prompts“, das sind gezielte Fragestellungen. Zum Beispiel: „Für was bin ich heute dankbar?“, „Worauf bin ich momentan stolz?“ oder „Was würde ich tun, wenn ich nicht scheitern könnte?“
Eine andere Methode ist ist das Brain dumping oder sind die Morgenseiten. Dabei schreibt man alles aus sich heraus, was gerade an Gedanken aufkommt. Das kann sehr befreiend oder überraschend sein.
Es gibt auch noch viele andere kreative Möglichkeiten der handschriftlichen Aufarbeitung. Ein Beispiel ist es, einen Brief an sich selbst zu schreiben aus Sicht einer imaginären besten Freundin.
Diese Techniken wende ich an
One line a day
Ich schreibe jeden Abend nach dem Abendessen einen kleinen Gedanken auf. Das kann eine Erkenntniss sein, oder etwas, was mich am Tag besonders gefreut oder geärgert hat. Das herausfordernde dabei ist, sich kurz zu fassen. Die Essenz klar zu formulieren. Nebenbei eine gute Übung, um auch im Alltag Dinge schnell und präzise besprechen zu können.
Monats-/Jahresrückblick
Jeden Anfang des Monats schaue ich meine Fotogalerie vom Handy durch und zücke den Terminkalender, um den vergangenen Monat Revue passieren zu lassen. Dann schreibe ich einen Blogbeitrag darüber. Dieser hat mehr oder weniger immer den gleichen Aufbau. Ich schreibe über Ausflüge, die neuesten Meilensteine meiner Kinder, meine Erkenntnisse und Dinge, die mir Freude gemacht haben, oder mich negativ beeinflusst haben. Am Ende des Jahres fasse ich dann die wichtigsten Jahresreignisse in einem Jahresrückblick zusammen.
Drei Jahres Tagebuch
Vor kurzem habe ich ein Buch bekommen, in dem für jeden Tag eine Frage formuliert ist. Der Clou: Diese 366 Fragen kann man sich drei Jahre in Folge beantworten. Mich fasziniert das, weil ich so sehe, ob und wie ich mich weiterentwickle. Kennenglernt habe ich diese Methode im Rauhnachtjournaling von Bianca Fritz.
Journaling mit Hilfe von Fragen oder ohne Impuls
Ich besitze ebenfalls ein Journal, in dem ich einfach so schreibe, wenn mich die Muse packt. Darin beantworte ich Journaling prompts, die mir „über den Weg gelaufen sind“ und sammle Ideen für kreative Hobbys oder Blogbeiträge. Auch BeMERKENswertes aus Büchern oder Zeitschriften finden dort ihren Platz.
Journaling Karten
Drei Kartensets verschiedener Autorinnen besitze ich.
Das Set „Kreative Schreib-Impulse“ von Daniela Alge ist kein klassisches Journalingset, sondern dient eher dazu, spielerisch achtsam und kreativ zu schreiben. Die Impulse sind sehr überraschend und regen deshalb prima zum texten an.
Das Journaling-Kartenset von Bianca Fritz enthält sehr offene Fragen, die gerade deshalb gut dazu dienen, einfach darauf los zu schreiben. Ich erhalte immer wieder neue Ergebnisse, trotz gleicher Fragen.
„Schreib dich ins Glück“ liefert Ideen, um intuitiv ins Schreiben zu kommen. Auf den Karten stehen Schreibimpulse und dazu erhält man eine kleine Anleitung, für welche Situationen im Leben der jeweilige Impuls besonders hilfreich ist. Kurz: Persönlichkeitsentwicklung und Klarheit in Kartenform.
Ich glaube, jeder der gerne journalt, schreibt auch gerne. Logisch eigentlich. Diese Kartensets stellen Journaling auf eine spielerische Ebene. Ich ziehe meistens einfach eine Karte, um mich überraschen zu lassen. So gewinnt das tiefe Thema Schreiben für mich eine locker-flockige Leichtigkeit.
Kennst Du weitere interessante Sets und Spiele rund ums Thema Journaling und Schreiben? Dann empfehle mir sie gerne. Ich bin immer auf der Suche nach Neuem!
So bin ich zum Journalen gekommen
In meiner Jugend begann ich, Tagebuch zu schreiben. Irgendwann gab ich es wieder auf, weil ich das Interesse daran verlor und andere Dinge (zum Beispiel die Liebe, hihi) wichtiger wurden. Mit dem Journaling kam ich das erste Mal über Instagram in Berührung. Dort warb Bianca Fritz für ihr Rauhnachtjournaling. Sie stellte die gesamte Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar über jeden Tag eine Frage zum reflektieren und Pläne schmieden und traf damit genau meinen Nerv. Ich erhielt ein Werkzeug, um wirklich tief nachdenken zu können und schöpfte daraus viele Erkenntnisse. Damit war der Weg geebnet, mehr über das Journalen zu lernen und es öfter anzuwenden.
Das bringt mir das Journalen
- Es hilft mir, unausgesprochene Gedanken zu formulieren.
- Ich kann damit über Dinge nachschreiben, über die ich tiefer nachdenken will.
- Ich lerne, zuende zu denken, über Sachen, die im Alltag aufgrund von Ablenkung untergehen.
- Ich lerne mich selber besser kennen.
- Meine geschriebenen Gedanken überraschen mich manchmal.
- Ich erinnere mich besser an Vergangenes.
- Ich halte die Vergangenheit fest.
- Ich verwandle Wünsche in Ziele.
- Es hilft mir, zu planen und umzusetzen.
- Es führt mich zu tiefer Selbstreflexion.
- Es gelingt mir damit, andere Blickwinkel einzunehmen.
- Es entspannt mich.
- Es hilft mir, mich zu konzentrieren.
- Ich werde dadurch achtsamer.
- Ich fokussiere mich besser.
- Ich kann Dinge aus dem Kopf schreiben, über die ich grübele.
- Es hilft mir, mit Vergangenem abzuschließen.
- Es hilft, Erinnerungen zu sammeln.
- Es ersetzt manchmal ein Gespräch mit einem Menschen oder der besten Freundin.
- Unbewusstes gelangt ins Bewusstsein.
- In dieser Zeit kann ich alles andere ausblenden.
- Ich verbinde mich mit mir selbst.
- Es hilft mir, wenn ich eine Entscheidung treffen muss.
- Ich lerne dabei, mich selbst zu analysieren und Verhaltensweisen zu hinterfragen.
- Ich lerne, mir die richtigen Fragen zu stellen.
- Ich erfahre ein tieferes Verständnis für mich selbst.
Wie anfangen?
Du möchtest auch einmal ausprobieren, ob Journaling etwas für dich ist? Ok. Es ist im Grunde ganz einfach. Hier ist meine kleine Anleitung: Nimm dir fünf Minuten Zeit. Achte darauf, dass du WIRKLICH ungestört bist und du bequem sitzt. Nimm dir ein Blatt Papier (oder ein leeres Notizbuch) und einen Stift, der gut übers Papier gleitet und schreibe einfach darauf los. Wichtig ist, dass du für mindestens fünf Minuten den Stift nicht groß absetzt. Denkpausen sind also nicht erlaubt. Solltest Du nicht mehr wissen, was du noch schreiben könntest, aber die fünf Minuten sind noch nicht um, dann schreibe die Frage „Was will noch raus?“ aufs Papier (vielleicht sogar mehrmals hintereinander). Irgendein Gedankenblitz wird dir dann wieder einfallen. Du brauchst einen Einführungssatz, um überhaupt starten zu können? Hier habe ich drei „Journalingprompts“ für dich:
- Was geht mir gerade durch den Kopf?
- Das möchte ich loslassen:
- Am besten wäre es, wenn ich…
Solltest du während deiner Schreibzeit nicht beim Thema bleiben und abschweifen von deinem eigentlichen Einführungssatz, ist das gar nicht schlimm. Im Gegenteil. Durch das Schreiben mit der Hand kommen manchmal unterbewusste Dinge ans Licht. Das ist das spannende am Journalen. Ich schreibe sehr häufig Dinge auf, die ich noch nie (oder noch nie so ausführlich) bewusst durchdacht habe. Übrigens schreibst du nur für dich. Schriftbild, Rechtschreibung und Grammmatik sind völlig egal. Auch dein Ausdruck interessiert niemanden. Schreib wirklich flüssig, ohne groß nachzudenken.
Fazit
Journaling ist ein mächtiges und magisches Tool, um Klarheit zu gewinnen. Es gibt verschiedene Methoden, die allesamt recht einfach umzusetzen sind. Im Grunde benötigst du nur einen Zettel und einen Stift.
Wie heißt es so schön? „Einsicht ist der erste Weg zur Besserung!“ Mit Hilfe vom Journalen erhälst du tiefgreifende Erkenntnisse, die du nutzen kannst, um dein eigenes Verhalten besser zu verstehen, oder vielleicht sogar, um wichtige Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. Auch um Prozesse zu begleiten (zum Beispiel Jobsuche, Abnehmziele…) kann das Schreiben sehr hilfreich sein.
Schreibe mir gerne, ob du journalst, oder ob du es einmal probieren möchtest.
Du möchtest wissen, warum ich Journaling liebe? In meinem Blogbeitrag 5 Gründe, warum ich Journaling liebe habe ich das aufgeschrieben.
3 Kommentare zu „Journaling: Wie ich es mache und was es mir bringt“