Die Überlegung, Werte für sich festzulegen, um sie wie eine Art Kompass bei Entscheidungen zu nutzen, hatte ich schon in meiner Selbstständigkeit. Damals waren meine beruflichen Werte Kreativität, Wertschätzung und Verlässlichkeit.
Doch welche Kompassnadeln sind für mich persönlich wichtig?
Dieser Frage bin ich mithilfe dem sehr ausführlichen Wertetest von mindbizz nachgegangen. Dort kann man aus sage und schreibe 300 Werten acht Begriffe auswählen, die man dann noch gegeneinander abwiegen kann und damit eine Rangliste seiner Werte bekommt. So erhält man seine Wegweiser für sein Handeln und Entscheidungsprozesse.
Meine persönlichen Werte sind momentan:

Zufriedenheit
Ich finde es eigentlich schon so weit ich denken kann wichtig, zufrieden zu sein. Deshalb wünsche ich das auch immer wieder bei Geburtstagsgrüßen den Jubilaren. Egal wie reich man ist, wie beruflich erfolgreich oder gesund man ist und wie nah oder fern man seinen Zielen ist – wichtig ist doch, dass man trotz vielleicht nicht optimalen Lebensbedingungen immer wieder eine gewisse Zufriedenheit verspürt. Mir ist das zumindest sehr erstrebenswert. Ich übe mich immer wieder in bewusster Dankbarkeit und versuche, mir selber kleine Freuden zu machen, um die Zufriedenheit in mein Leben zu holen. Wie heißt es so schön? „Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das große Glück warten.“ Ein Stück weit ist es also aktive Arbeit, zufrieden zu sein.
Ein Wortbestandteil von Zufriedenheit ist Frieden. Um zufrieden zu sein, bedarf es natürlich auch gewissen Rahmenbedingungen. Ich bin ein Mensch mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis und mir ist Frieden in der Welt deshalb ungemein wichtig. Ich möchte sicher leben können und auch meinen Kindern ein friedvolles Leben gönnen. Ich glaube, Angst und Unsicherheit sind Feinde der ZuFRIEDENheit. Leider scheinen sich „die da oben“ dessen nicht so ganz bewusst zu sein und ich kann nur hoffen, dass sich die derzeitig angespannte Weltlage wieder beruhigt, weil die menschliche Vernunft siegt.
Ein weiterer Wert, der für mich ganz eng mit Zufriedenheit verbunden ist, ist die Harmonie. Streit und Konflikte sind für mich Gift. Ein unharmonisches Umfeld saugt meine Energie aus und ich reagiere mit starken Stresssymptomen. Ich habe sehr häufig nicht die Kraft, mich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren und sitze Meinungsverschiedenheiten lieber aus, als Partei für mich zu ergreifen – des lieben Friedens Willen! In den letzten Jahren habe ich immerhin gelernt, das Wörtchen „Nein“ zu benutzen, um mich vor so mancher Ungerechtigkeit oder Belastung zu schützen. Oft hat mein ausgeprägtes Harmoniebedürfnis aber die Oberhand, auch bei Konflikten, wo ich im Recht bin. Der Klügere gibt nach, denke ich mir dann. Aber wenn halt immer der klügere nachgibt, gewinnen die Dummen.
Selbsterkenntnis
Mein zweiter wichtiger Wert ist die Selbsterkenntnis. Oft werde ich für meine Reflektiertheit gelobt. Ich liebe es, mich selbst immer besser kennenzulernen, mein Inneres zu erforschen. Was bin ich für ein Mensch und warum bin ich der, der ich bin, sind Fragen, die mich begleiten. Wenn alle Menschen mehr in sich gehen würden und ihr Denken, ihre Glaubenssätze und ihr Handeln mehr hinterfragen würden, gäbe es mehr Frieden auf der Welt und wir kämen uns auch gesellschaftlich viel näher. Wenn man zu sich selbst keine Beziehung pflegt, leidet darunter auch die Beziehung zu anderen. Rein kognitiv sind wir Menschen so weit entwickelt. Trotzdem betäuben wir uns lieber mit Netflix und Social Media, anstatt unser Hirn für innere Arbeit zu nutzen. Damit entwickeln wir uns sehr wahrscheinlich zurück. Wir lassen lieber die KI für uns denken, als es selbst zu tun.
Übrigens sehe ich mit dem Wert der Selbsterkenntnis auch die Authentizität, Echtheit und Ehrlichkeit verknüpft. Denn nur wenn wir uns selbst (er)kennen, können wir uns auch „echt“ zeigen und authentisch handeln. Wir können nicht wir selbst sein, wenn wir gar nicht wissen, wer wir sind.
Bedeutsamkeit
Der dritte Wert schließlich ist die Bedeutsamkeit. Jede und Jeder von uns ist bedeutend. Als ich Ende November unseren Weihnachtsschmuck vom Boden holte, fand ich eine Mappe mit Briefen, Fotos und einem Kriegstagebuch von einem unserer Vorfahren. Er war mir unbekannt und war laut einer Urkunde im Zweiten Weltkrieg gefallen.

Dieser Mensch war sicherlich einmal für seine Familie und Freunde bedeutend gewesen und ist nun nach vielen Jahren in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Ich habe ihm, indem ich seine Hinterlassenschaften las, wieder eine Bedeutung gegeben, denn er (beziehungsweise die Erkenntnis, dass ein Mensch schon nach 2,3 Generationen wieder in vollkommene Vergessenheit gerät), haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, dass man immer wieder über Vergangenes spricht. Deshalb finde ich es wichtig, irgendetwas bedeutsames für die Nachwelt zu hinterlassen. Das muss kein nobelpreiswürdiges Vermächtnis sein. Ein paar Zeilen und Fotos, ein selbstgestaltetes Bild oder Gedicht oder vielleicht auch etwas handwerkliches (ein selbst gestrickter Schal, Kochrezepte, ein selbst gebautes Vogelhaus…) IRGENDETWAS, was dem Menschen, der irgendwann nur noch ein Name ist, als Mensch zeigt und ihn damit bedeutsam macht.
Eine Journalingfrage, die ich mir deshalb unbedingt dieses Jahr noch stellen möchte ist: Was sollen Deine Hinterbliebenen später einmal über Dich und von Dir erzählen? Wie möchtest Du in Erinnerung bleiben? Und was möchte ich der Nachwelt „anfassbares“ hinterlassen, damit man sich an mich erinnert?
Begriffe, die ich ebenfalls mit der Bedeutsamkeit in Zusammenhang bringe sind Wertschätzung, Anerkennung und Einzigartigkeit.
Ich bin sehr gespannt, was sich daraus ergibt, dass ich meine Werte nun festgeschrieben habe und ich bin auch neugierig, ob und wann ich diese Kompassnadeln wieder tausche. Für 2025 werden sie auf alle Fälle meine Leitsterne sein.
Hast Du Dir schon einmal über Deine persönlichen Werte Gedanken gemacht? Wenn nicht, hilft Dir bestimmt der oben verlinkte Test weiter. Ich habe mehrere Onlinetests probiert und fand diesen am ausführlichsten.
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