Aktivitäten zur Selbstfürsorge – Vergeudete Zeit?

In unserer Gesellschaft scheint es zwei Lager zu geben: Die Einen, die jeglichen „Müßiggang“ ablehnen. Ein guter Mensch ist ein fleißiger Mensch! Leute, die Tagebuch schreiben oder meditieren sind in ihren Augen „schwach“ oder Träumer. Und die Anderen, die gerade unserer schroffen Gesellschaft mit den vielen Verpflichtungen und schlechten Nachrichten mit Rückzug begegnen. Die Zeit für sich brauchen, um Kraft zu schöpfen.

Warum wird es als positiv angesehen, für andere Menschen zu sorgen, aber belächelt, wenn man für sich selbst sorgt? Du kannst nur gut für andere sorgen, wenn es dir selber gut geht. Also ist Selbstfürsorge keinesfalls Firlefanz oder egoistisch, sondern nicht zuletzt ein Dienst an der Gesellschaft.

Warum ich das schreibe? Es gibt immer wieder Situationen, bei denen ich merke, wie oft es heutzutage immer noch als negativ angesehen wird, sich selbst etwas Gutes zu tun. Entweder, negative Äußerungen kommen von außen, oder man hat eigene Glaubenssätze, die einen die Freude am Hobby vermiesen:

  • Da ist der ältere Herr, der nicht für sein eigenes Vergnügen und seine Gesundheit spazieren geht. „Was sollen denn da die Leute denken? Dass ich nichts zu tun habe?“
  • Da ist die Bekannte, die Menschen belächelt, weil sie ein Bullet Journal führen. „Na die müssen ja Langeweile haben!“
  • Da ist der Junge, der sich darüber lustig macht, wenn ein Mädchen Portraits zeichnet: „Das sieht ja Scheiße aus!“
  • Da ist die Handballtrainerin, die ein weniger leistungsfähiges Kind vom Training ausschließen will, weil „die hier zwar echt Spaß hat und sich Mühe gibt, aber einfach nicht sportlich genug ist“.
  • Da ist die Frau, die lieber nicht mehr blogt, weil sie ihre Texte zu schlecht findet.

Muss ich fortfahren mit meinen Beispielen? In den Augen vieler sind derlei Handlungen vergeudete Zeit. Sie sehen nicht, daß diese Hobbies für die Maler:innen, Schreiber:innen, Spaziergeher:innen usw. wichtige Dinge sind, um für sich selbst zu sorgen. Sie sehen nur, was man in der Zeit produktiveres hätte machen können, oder bemängeln das fehlende Talent. Derweil geht es ja um die Handlung an sich und nicht um das Ergebnis.

Ich selbst male gerne. Oft weiß ich zu Beginn gar nicht, wie das Bild am Ende aussehen soll. Ich gestalte mein Blatt impulsiv aus der momentanen Stimmung heraus. Es geht mir nicht darum, ein besonders schönes Bild zu malen. Dafür habe ich gar kein Talent. Was zählt ist der Prozess. Tatsächlich bin ich mittlerweile so weit, dass mich negative Kritik zum Ergebnis meiner Malerei gar nicht mehr stört. Es war ja gar nicht meine Absicht „schön“ zu malen.

Fazit: Mögen manche Hobbies kindisch wirken, oder im Auge Außenstehender als Zeitvergeudung gelten: wenn es der Selbstfürsorge eines Menschen dient, ist es wertvoll. Es ist wichtig, uns selbst Gutes zu tun, denn wir müssen ein ganzes Leben lang mit unserer Person und unserer Psyche klarkommen. Nur wenn es uns selbst gut geht, können wir anderen gut begegnen.

Erlaubst Du es Dir, Dir etwas Gutes zu tun?

5 Kommentare zu „Aktivitäten zur Selbstfürsorge – Vergeudete Zeit?

  1. hey steffi, ich finde auch das selbstfürsorge totalw wichtig und eben überhaupt nicht vergeudetete ziet ist, ganz im gegenteil. je, viel zu oft wird rumkritisiert und bewertet, von außen und auch von innen durch den lieben kleinen oft viel zu vorlauten inneren kritiker – aber beim thema selbstfürsorge dürfen die allerseits gerne mal die klappe halten :))) du bringst es auf den punkt, es kommt nicht auf das ergebnis an! sondern auf die freude beim TUN und SEIN 🙂 cool, dass du dieses thema aufgreifst und ansprichst! lg

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  2. Mit diesem Beitrag rennst du bei mir offene Türen ein, liebe Steffi. Mir geht es ziemlich genau wie dir und ich wünschte, mehr Menschen kämen von dieser suche nach Produktivität runter. Wir Menschen haben wirklich eine ganze Menge Probleme, die wir besser heute als morgen anpacken sollten.
    Und dafür müssen wir mit unseren mentalen, emotionalen und physischen Ressourcen nachhaltig umgehen.

    Danke für diesen Beitrag, den ich tatsächlich über deine Liste deiner
    liebsten Blogartikel gefunden habe 🙂 Dieser Artikel ist wirklich
    zeitlos relevant!

    Liebe Grüße

    Angela

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